Full text : Wirtschaft als Leben

294

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

am  Gesichtspunkte  hänge,  ob  die  Wissenschaft  vom  Menschheitsleben ­
  im  Sonderbegriffe  gipfle  oder  im  Artbegriffe.  In  ihrer  einen
Form  würde  sie  zwar  der  Historie  Schwester  bleiben;  alle  Artbegriffe
wären  da  ihr  bloßes  „Requisit“;  genau  so  wie  es  „Volk“,  „König“,
„Verfassung“,  „Krieg“  usw.  für  die  Historie  sind.  Ihrer  anderen  Form
nach  aber  würde  sie  in  einem  Begriffs-Systeme  ihren  Schwerpunkt
finden,  mithin  den  „systematischen  Naturwissenschaften“,  Zoologie,
Botanik,  Mineralogie,  in  irgendeiner  Annäherung  zur  Seite  treten.
Allein,  der  Gedanke,  daß  ein  solches  Kippen  des  Gesichtspunktes,  und
mit  diesen  Folgen,  innerhalb  der  Wissenschaft  vom  Menschheitsleben
eintreten  könnte,  dieser  Gedanke  ist  in  sich  unmöglich.  Der
Beweis  ist  bald  geführt.
Es  war  zu  erwähnen,  wie  Menschheitsleben  und  Geschichte  nur
Kinder  unserer  Auffassung  sind,  und  wie  hinter  ihnen  gemeinsam  die
Welt  des  Handelns  steht.  Diese  „Welt“  ist  nun  selber  schon  das  Kind
einer  bloßen  Auffassung;  jener,  deren  Gegenstück  die  „Natur“  zum
Kind  hat.  Diese  wechselnde  Auffassung  bezieht  sich  auf  unser  verschiedenes ­
  Verhalten  gegenüber  dem  duldenden  Erlebnis,  den  sich  ablösenden ­
  Empfindungen.  Irgendwie  müssen  wir  uns  zu  diesem
duldenden  Erlebnis  verhalten.  Bei  ihm  können  wir  niemals  stehen
bleiben,  wie  es  uns  gegenüber  der  Welt  des  Handelns  möglich  ist,
ohne  daß  wir  uns  für  die  Wahl  „Menschheitsleben“  oder  „Geschichte“
entscheiden.  Wenn  wir  uns  dieser  Wahl  enthalten,  so  besagt  dies  nur,
daß  wir  jene  Welt  nicht  schon  in  ihrer  All-Einheit  begrifflich  zu  erfassen
suchen;  trotzdem  bleibt  sie  uns  vor  dem  Denken,  im  einzelnen,  oder
als  Ding  der  bloßen  Vorstellung.  Aber  für  die  Wahl:  „Welt  des
Handelns“  oder  „Natur“,  da  müssen  wir  uns  entscheiden,  oder  wir
müßten  einfach  zu  denken  auf  hören.  In  diesem  Sinne  liegt
hier  ein  starres  Entwederoder  der  Auffassung  vor.
Sind  daher  auch  „Welt  des  Handelns“  und  „Natur“  nur  „Gebiete“,
so  gewiß  keine,  die  wir  aus  unserem  Denken  hinaus  versetzen.  Denn
aus  unserem  Denken  „hinaus“  geht  der  Weg  notwendig  schon  entweder ­
  in  die  Welt  des  Handelns  oder  in  die  Natur.
Nun  halte  man  sich  die  Hierarchie  dieser  Auffassungen  und  ihres
Wechsels  vor.  Primär  ist  der  Wechsel  zwischen  „Welt  des  Handelns“
und  „Natur“.  Sekundär  ist  der  Wechsel  zwischen  „Geschichte“  und
„Menschheitsleben“.  Ein  Wechsel,  der  innerhalb  der  Wissenschaft  vom
Menschheitsleben  einträte,  wäre  etwas  Tertiäres.  Am  primären
Wechsel  gabelt  das  Denken  und  sein  Stoff;  an  der  einen  Zinke  das
zerfallende  Denken  und  die  Erscheinungen,  an  der  anderen  Zinke  das
unzerfällende  Denken  und  die  Erlebungen.  Hiermit  gabelt  auch  schon
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.