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,Die Herrschaft des Wortes“,
möglichen Umformungen zu verfolgen, mit dem Ausgange vom
Primären. Es liegen ja diese Gegenstände alle auf dem Wege, den
unser Denken von etwas Primärem her in tätiger Umformung be
schreitet. Das Primäre wären nun die Erlebungen: die kürzesten
Teilstücke, die schlichtesten Kuppeln jenes empfundenen Zusammen
hanges, den ich von meiner Seite stets als Streben und Erfolg aus-
drücke. Um einige davon in Unordnung zu nennen: „greifen“,
„drängen“, „ziehen“, „werfen“, „fliehen“, „verzichten“, „behaupten“;
sie lassen sich z. T. auch in anderer Wendung ausdrücken: „fest-
halten“, „erlangen“, „haben“; im ganzen so etwas wie die Tatenwelt
des Babys. In ihrer gedrungenen Urwüchsigkeit, um den falschen
Schein ihrer Verwickeltheit abzuwenden, ließen sich diese Erlebungen
besser mit den lebendigen Ausrufen malen: „her!“ „weg!“ „hinl“
„halt 1“ usw. Sie erhellen gleichsam als der Rohstoff der Umformung;
und der letzteren könnte man nun in allen Richtungen folgen. Z. T.
würde es sich um Gestaltungen handeln, auf die unser Geist durch die
determinierende Natur verpflichtet erscheint: „Mutter“, „Vater“,
„Bruder“. Und wie hier, würden im ganzen auch alle anderen er
reichbaren Inhalte in Worte mehr oder minder gut hineinwachsen:
„Helfer“, „Genosse“, „Freund“, „Führer“, „Häuptling“, „Schutzherr“,
„König“; „Gegner“, „Feind“, „Zwingherr“; usw., wenn man bloß der
zufällig eingeschlagenen Richtung, und nur ganz obenhin folgt. Auch
hier ist keine rechte Ordnung einzuhalten, weil sich die Beziehungen
vielfach gabeln, eine bloße Reihe sie daher niemals richtig wiedergeben
kann, höchstens ein Tableau, im Sinne einer Abart von Stammbaum
dieser Gegenstände.
Ungefähr auf diese Art wüßte das unzerfällende Denken seinen
Worten erst den Herrn zu zeigen. Es wüßte mit ihnen Fangball zu
spielen, statt sich von ihnen prellen zu lassen. Aber gerade von dieser
Möglichkeit, im Wege der Selbstbesinnung, und in diesem Sinne ab
schließend zu definieren, davon läßt sich die gute alte Logik kaum
etwas träumen. Für sie ist Definition stets nur die demütige Ver
beugung unseres Denkens vor jedem hergelaufenen Worte. Hinter
dem Ausdruck „Begriff“ trabt da der Schimmel der worterklärenden
„Definition“ ähnlich so, wie es hinter dem Ausdrucke „Tatsache“
wieder Deduktion und Induktion tun — als ob sie einfach un
entbehrlich wären, wo immer von „Tatsachen“ geredet werden kannl
Selbst dort also, wo weder vom Allgemeinen aufs Besondere, noch
vom Besonderen aufs Allgemeine zu schließen ist; wo wir vielmehr vom
Boden unseres eigenen Handelns aus die Zusammenhänge im fremden