Full text : Wirtschaft als Leben

302

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

zwischen  mancherlei  werden  über  derlei  Vorstellungen  klarer.  Nur
muß  man  sich  hüten,  diese  Art  „Entwicklungen“,  die  allein  der
gedachten  Zeit  beigeordnet  bleiben,  an  irgendeinem,  noch  so  unbestimmten, ­
  in  noch  so  graue  Fernen  gerückten  Platz  in  der  lebendigen
Zeit  unterzubringen!  Die  „Widerlegung“  bliebe  natürlich  aus;  aber
der  Selbstbetrug  ist  da.  Man  darf  nicht  für  Erkenntnis  nehmen,  was
nichts  als  Erwägungen  sind,  von  „regulativer“  Bedeutung  für  das
Erkannte.
Nun  ein  weiterer  Gegensatz  zwischen  System  und  System.  Alle
Artbegriffe,  die  man  der  schildernden  Wissenschaft  entnehmen  kann,
hängen  untereinander  aufs  innigste  zusammen.  Nur
damit  bewähren  sie  sich  als  brauchbares  Werkzeug,  um  der  All-Einheit
des  Geschehens  nachzueifern.  Dieser  innige  Wechselbezug  fehlt  den
Gliedern  jener  Systeme  der  Natur;  hier  kommt  er  nur  vereinzelt  in
Betracht  —  „Schmarotzerwesen“,  „Tierstaaten“.  Jener  Wechselbezug
unter  den  Artbegriffen  trifft  bloß  für  die  Biologie  zu.  Und  damit
liegt  die  einzige  Verwandtschaft  zwischen  Biologie  und  schildernder
Wissenschaft  vor.  Im  praktischen  Sinne  geht  also  das  Band  nur  über
den  lehrhaften  Auszug  der  letzteren  Wissenschaft  hinüber.  Daher  auch
die  didaktische  Bedeutung  der  „organischen  Auffassung“;  mit
der  ja  der  Forscher  gar  nichts  anfangen  kann,  weil  er  keinen  gefährlichen ­
  Umweg  einschlagen  wird,  wo  ihm  das  Durchschauen  des  Zusammenhanges ­
  schon  auf  dem  geraden  Wege  möglich  wird,  während
umgekehrt  der  Biologe  unablässig  im  Kielwasser  des  unzerfällenden
  Denkens  bleibt,  und  wenn  er  noch  so  „mechanistisch“  denkt.
Der  Gegensatz  im  Artbegriff,  hier  des  zerfällenden,  dort  des  unzerfällenden
  Denkens,  besteht  zwischen  schildernder  Wissenschaft  und
Biologie  grundsätzlich  sofort  in  voller  Schroffheit.  Nur  die  „Ontogenie“
bringt  da  in  der  Tatsache  eine  eigentümliche  Annäherung  zuwege:
statt  daß  sich  die  Gegenstände  von  der  Wurzel  aus  durchdenken
lassen,  „entwickeln“  sie  sich  vor  unseren  Augen.  Übrigens  bleibt  für
unsere  hergebrachte  Logik,  trotz  ihrer  „genetischen“  Definition,  gemäß
Schema  „F,  c“,  schon  die  Biologie  ganz  außer  Sehweite.  Selbst  der
wissenschaftlichen  Logik  ist  von  sehr  berufenen  Seiten  vorgeworfen
worden,  daß  sie  mehr  eine  solche  der  „Körperwelt“,  will  sagen  der
Natur-Systeme  sei.  Im  allgemeinen  mag  dies  zutreffen;  trotzdem  gilt,
und  so  viel  auch  im  Interesse  des  unzerfällenden  Denkens  zu  verfechten ­
  bleibt,  daß  man  sich  in  allen  Stücken  auf  die  wissenschaftliche
Logik  berufen  könnte.  Nur  jene  Logik  des  wissenschaftlichen  Alltags
hat  sich  alleinig  den  Bedürfnissen  des  erobernden  Denkens  angepaßt,
als  ein  fauler  Kompromiß  zwischen  Scholastik  und  Naturwissenschaft;
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.