Full text: Wirtschaft als Leben

304 
,Die Herrschaft des Wortes“, 
im Grundriß nun ihr bloßer Schattenriß! Man überblickt zur Not das 
Spiel der Zusammenhänge, die Gliederung im Geschehen, und tut es 
quer über den Zeitverlauf, im einzelnen auch dem Zeitverlauf entlang. 
Zeitverlauf, in der Tat, nicht Zeitenlauf; den letzteren Ausdruck wird 
man besser der duldend erlebten, schicksalerfüllten Zeit Vorbehalten, 
nicht der nach ihrem Vorbilde gedachten Zeit, die für jene be 
grifflich erfaßten Zustände und Entwicklungen allein in Betracht fällt. 
Vor allem sei aber betont, daß mit dieser bequemen Reduktion keines 
wegs jenes Flechtwerk „in abstracto“ vorliegt, das mit dem Mensch 
heitsleben „in concreto“ vorliegt und hier den lebendigen Wissensschatz 
bedeutet. Von einer eigentlichen Abstraktion ist gar keine Rede. Die 
Zustände und Entwicklungen, die sich zugleich mit dem Begriffs- 
Systeme ergeben, kraft des Wechselbezuges aller Artbegriffe dieses 
Systems, die sind nicht etwa vom Leben abgenommen, auch 
nicht über das Mittelglied der schildernden Wissenschaft; sie sind in 
einer eigentümlichen Weise angenommen. Es handelt sich nicht 
schlechthin um ein minderes Surrogat des Erlebten, gemessen am 
lebendigen Wissensschatz, es handelt sich um ein Surrogat des Surro 
gates. Das läßt sich am besten mittelbar erläutern. 
XII. 
Der Laie, der ein älteres „Lehrbuch der Nationalökonomie“ — 
„Traite“, „Principles“ — vor sich hat, das eben solcher minderen Re 
duktion um so sklavischer folgt, je mehr es über den Leisten gearbeitet 
ist, der Laie denkt gar nicht anders, als daß hinter diesem Systeme 
genau so die ganze Nationalökonomie stehe, wie etwa hinter einem 
Lehrbuch der Zoologie die ganze Zoologie stehen kann. Es mag ja 
mancherlei hinein verarbeitet sein, was lebendiges Wissen bedeutet. 
Im Grundsätze steht hinter dem Systeme nichts anderes als die Ge 
meine Erfahrung. Diese allein reicht aus, den Wechselbezug der 
Artbegriffe übersehbar zu machen, die selber schon aus ihr erblühen. 
Abermals ist keine „Theorie vor den Tatsachen“ geboten; dazu sind 
diese Lehrbücher schon im allgemeinen viel zu sehr dem Worte ver 
pflichtet, besonders aber den patentierten Fachausdrücken, die als 
eigentlichste Tradition aus dem einen Buch ins andere schleichen. Wort 
seligkeit und Selbstbesinnung, das schließt sich so ziemlich aus! Aber 
auch keine „Theorie statt der Tatsachen“ liegt vor, wie es bei den 
Systemen der Natur zutrifft, bis zu ihren naivsten zurück. An Stelle 
aller Tatsachen ist einfach die Gemeine Erfahrung verarbeitet; <F e
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.