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.Die Herrschaft des Wortes'
blühen unzerfällender Erkenntnis; sie waren nichts weniger denn vom
Alltage geschoben. Ihr Ruhm muß vielmehr ewiglich dem Alltage
entgehen, der überhaupt mehr dem Flach-Logischen nachhängt,
weil er mit der Ungeduld des Kindes Alles wissen, Alles „erklärt“
haben will. Jene Bahnbrecher haben ja dem Alltag ein Konterfei
vorgehalten, wie er es nicht willl Durch sie sind wir im ent
scheidenden Sinne vom Alltage weg und in die Tiefe verwiesen
worden. Sie haben unseren Blick auf jenes tiefgründige Ganze gelenkt,
das der Alltag, die Oberfläche davon, nach wie vor gebührend ober
flächlich übersieht. Allein, auch sie konnten nur den Rahmen liefern,
in den erst die Forschung, in schöpferischer Tat, den Inhalt
hineinschuf; eine Forschung, die sich hingebend in ihren lebendigen
Stoff versenkt, und sich immer mehr des Gedankens seiner All-Einheit
erfüllt, im wachsenden Drange, der letzteren nachzueifern. So erst
konnte sich das Bewußtsein von jenem Allzusammenhang recht erhellen,
den der geläuterte theoretische Geist zur „Volkswirtschaft“ gestaltet.
Und hier ist nun das Denken hoch empor gekommen über das Wort;
dieses so genommen, wie es sich buchstabierend denken läßt: „Volks
wirtschaft“. Auch darüber noch etwas.
Diese Umformung liegt nicht über den Inhalt „Staat“ hinaus. Sie
ist in ihrer scheinbaren Einseitigkeit gerade damit erklärt, daß sie
gleichsam vor diesem Inhalte „Staat“ scheu innehält, und nur An
lehnung sucht an ihn. Hier verrät sich klipp und klar unsere Ehr
furcht vor dem juristischen Denken, das ja seine schwere Hand sofort
auf die Erkenntnis legt, wo immer das Gefüge jener Welt in Frage
kommt. Denn „Volkswirtschaft“, das ist im Grunde nur
das Zuständliche Gebilde „Staat“ selber; jedoch in jener
Einseitigkeit erfaßt, die man sich der anderen, der juristisch einseitigen
Auffassung schuldig glaubt. Dies als kürzeste Andeutung, wie für jene
theoretische Umformung das „Wirtschaftliche“ gar nicht den Ausschlag
gibt. Wie könnte es auch anders sein, bei dem vollblütigen Geschöpfe
einer Forschung, die über die generalisierende und isolierende Ab
straktion hinausgewachsen istl Man würde auch den Wortteil „Wirt
schaft“ viel mehr als etwas Zufälliges empfinden, aber die „Klassizität“
liegt uns noch so schwer im Magen. Sie hat ja allen Fachausdrücken
ihr Gepräge verliehen, und so besitzt sie einen mächtigen Bundes
genossen an der Schar dieser Wörtchen, die sich so klettenzäh in unser
Denken verbeißen. Trotzdem, mit ihrer Wendung gegen die „Volks
wirtschaft“, die sie als ihren eigentlichen Gegenstand betrachtet, hat
die Nationalökonomie hinausgefunden durch alle Verkennung, dem
Primären ihrer Sonderheit zu. Ihr Blick ist mit einer nebensächlichen