Ausblicke, XVI.
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Ablenkung auf das Menschheitsleben gerichtet. Es liegt ja offen
genug, daß die so verstandene „Volkswirtschaft“ gegenüber dem
Menschheitsleben genau so das Greifbarste, für die Forschung
Praktische ist, wie das „staatliche“ Geschehen für den Historiker.
Durch ihr Ausmünden in der schildernden Wissenschaft ist aber die
Nationalökonomie reif geworden und auf dem besten Wege, auch im
Werke ebenbürtig zu sein ihrer ehrwürdigen Schwester, der Historie.
Versteht man also „Nationalökonomie“ als „Volkswirtschaftslehre“,
dann hinkt dieser Name eigentlich nur soweit dem Benannten nach,
als man über der Fülle „klassischer“ Beklemmungen zu sehr das „Wirt
schaftliche“ betont fühlt. Weil dies nun unleugbar immer noch gilt,
a m meisten aber für die Gemeine Meinung, vor der ja ein solcher
Name ernsteste Bedeutung hat, so könnte man an mich die Frage
richten, weshalb ich unentwegt von „Nationalökonomie“ spreche, wenn
ich doch die schildernde Wissenschaft meine 1 Das beträfe
also nur mehr Äußerliches; ich hätte mehreres zu erwidern. Erstens
stimmt der Name nicht so schlecht, wie es zunächst scheinen will. Mit
der Wissenschaft ist im Grunde noch ihr Name besser als die Gemeine
Meinung, die landläufige Auffassung von beidem. Ein Sachfehler liegt
also gar nicht vor, wenn man in verständigem Sinne hinblickt; und
Wan tut es um so verständiger, je weniger man sich um Worte quält,
weitens warnt vor jeder Neuerung schon die Zähigkeit, mit der sich
er Formfehler dieses geläufigsten Namens behauptet hat: „National-
°. onom ' e “> statt „Nationalökonomik“. Der erstere Ausdruck steckt
einmal eingerammt in der Gemeinen Meinung — und so mag es ruhig
k eiben. Einer Wissenschaft, die sich selber gefunden hat,
ann überhaupt nichts gleichgültiger sein als ihr
ei gener Name!
(Schluß der „Ausblicke“.)