I.
Mein Thema muß ich aus verwandten Fragen erst herausschälen.
Der Ausdruck „Grenzen der Geschichte“ läßt eben ver
schiedene Deutungen zu, die nicht bloß im Namen, die auch in
der Sache Zusammenhängen. Um so nötiger erscheint es, sie alle zur
Sprache zu bringen, obwohl es sich nur um eine aus ihnen handelt.
Ich führe sie also nacheinander vor.
Wer von Grenzen der Geschichte hört, denkt zuerst wohl an eine
Scheidung zwischen dem, was die historische Wissenschaft zu leisten
vermag, und dem, was sie anderen Disziplinen überlassen muß. Das
wären also die Grenzen des Arbeitsfeldes einer Fach
wissenschaft. Solche Grenzen zwischen sich und den Nachbarn zu
ziehen, gehört zur Selbsterkenntnis einer Disziplin. Erwägungen darüber
empfehlen sich besonders dann, wenn die ruhige Pflege einer Wissen
schaft aufgestört wird durch den Streit über ihren Sinn und Beruf.
Die Historie, nebenbei gesagt, ist ja so ziemlich in dieser Lage.
Nur scheint sie herzlich wenig der Gefahr ausgesetzt, an ihrer eigenen
Art irre zu werden. Unter den Wissenschaften ist sie von so altem
Adel, wie etwa unter den Künsten die Bildhauerei. Menschenschicksal,
Menschenschönheit, das scheinen Vorwürfe, die das geistige Streben
recht sicher im Geleise halten. Wenn nun gerade der Historie immer
von neuem Reformen gepredigt werden, so mag man über diese
Bestrebungen im einzelnen noch so sympathisch denken, in der Haupt
sache lernt die Historie aus diesen Reformen doch nur, wie sie es
nicht machen soll. In schlichtem Weiter wirken findet sie stets wieder
zu sich zurück. Aber soviel ist klar, für einen theoretischen
Vortrag — und zu einem solchen bin ich ja aufgefordert worden —
wäre das Thema von den Grenzen des historischen Arbeitsfeldes recht
aktuell. Und mir persönlich, namentlich was die Grenzen zwischen
Historie und Nationalökonomie anlangt, läge es einigermaßen nahe 1 ).
Aber ich greife es nicht auf. Als Theoretiker und Methodologe auf
nationalökonomischem Gebiete will ich vor einem Parterre von
*) Vgl. „Herrschaft des Wortes“, bes. S. 268 u. a. a. O.