Full text: Wirtschaft als Leben

Abschnitt I. 
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schehen der historischen Jahrtausende. Auch weiter zurück 
hört das Geschehen noch nicht auf, in jenem naivsten, aber ein 
deutigsten Sinne als Geschichte spezifisch zu sein. Wir sprechen dann 
zwar von der „prähistorischen“ Zeit, von der „Vorgeschichte“, oder 
„Urgeschichte“, und statten sie mit Hunderttausenden von Jahren aus. 
Aber dieser Namenswechsel erfolgt, um es kurz zu sagen, bloß im 
Rankeschen Geiste: man respektiert hier die Grenzen der praktischen 
Möglichkeit einer Geschichtsschreibung. Das Geschehen bleibt vor 
läufig noch dem Menschen verknüpft und ändert seine spezi 
fische Natur erst dort, wo man die Ursprünge des 
Menschengeschlechts hinverlegt. Je nach dem Stande der 
Forschung mag dies nun im älteren Diluvium, oder im Tertiär, oder 
wo immer sein, dort lägen dann die Grenzen der Ge 
schichte. Dort hätte das Geschehen den entscheidenden Wende 
punkt passiert. Herwärts jener Phase in der gattungsmäßigen Ent 
wicklung der Lebewesen wäre uns ein Geschehen als Geschichte er 
faßbar geworden; selbst vom Standpunkte des ausübenden Historikers 
aus wäre von da ab Geschichte wenigstens möglich geworden. 
Jenseits jener Phase aber vermischt sich dieses Geschehen dem mütter 
lichen Strome des Gesamtgeschehens, von dem es ja überhaupt nur 
ein abzweigendes Äderchen vorstellt; sagen wir, es verliert sich von 
da ab in dem Geschehen der geologischen Jahrmillionen. 
Auf den ersten Blick scheint es allerdings um die Aussichten der 
Kritik schlecht bestellt. Handelt es sich doch um lauter Dinge, die 
uns allmählich zu Gemeinplätzen der Erkenntnis geworden sind. Es 
gilt dies im einzelnen, wie fürs Ganze. Daß nur ein einziges Kontinuum 
des Geschehens die Welt erfüllt, der einen Zeit entlang, das wird ja 
als eine unerschütterliche Grundlage unseres ganzen modernen Denkens 
angesehen. Aber gerade auf dieser Grundlage scheint auch jene 
Lösung unseres Problems zu ruhen; wo soll also der Zweifel da 
hinaus 1 Die Sache scheint ja, ein für allemal, glatt und aufs beste 
erledigt! Nun, ich kann mir nicht helfen, ich finde eben doch ein 
Haar darin. 
Prüfen wir einmal das Verhältnis, das hier zwischen Geschehen 
und Erkenntnis des Geschehens besteht. Auf der einen Seite 
also das System alles realen Geschehens, wie es im Geiste der natur 
wissenschaftlichen Weltanschauung vorliegt; auf der anderen Seite das 
System unserer Erkenntnis, zu dem sich die verschiedenen Disziplinen 
zusammenschließen. Es wäre also der große und einheitliche Verlauf 
des gesamten Geschehens da: Das Geschehen der historischen Jahr 
tausende bildet mit dem Geschehen der geologischen Jahrmillionen eine
	        
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