Full text: Wirtschaft als Leben

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.Die Grenzen der Geschichte“, 
Aber soll es etwa der letzte Beruf aller Geschichtswissenschaft sein, 
Aufschlüsse solcher Art zu geben? Das gilt doch nur im Sinne 
einer gelegentlichen Nutzanwendung der historischen Erkenntnis 
und gilt nur für den einzelnen Fall, kasuistisch. Dehnt man die 
Erwägung jedoch ins prinzipielle aus, dann wird man kaum der An 
schauung verfallen, daß die Historie nur darin gipfle, in die bunte und 
krause Gesamtheit aller Spuren der Menschenhand, aller Kulturreste, 
aller Urkunden Ordnung zu bringen, das will hier sagen, das Neben 
einander dieser Dinge, die alle aus der Zeit begriffen sein wollen, in 
ein verständliches Nacheinander zu wandeln. Wenn uns diese Dinge 
einzeln verständlich werden, so ist dies wirklich nur ein Nebenerfolg, im 
Geiste einer Nutzanwendung. Grundsätzlich aber erscheint umgekehrt 
die Gesamtheit dieser Dinge nur als ein Mittel, das uns historische 
Erkenntnis erst möglich macht. Zweck dieser Erkenntnis ist es, jenen 
vielverschlungenen Lauf erlebten Geschehens aufzudecken, der uns 
überall um seiner selbst willen interessant ist, weil er, der uns das 
eigene Schicksal entgegenbringt, überall aus Menschenschicksal gewoben 
erscheint. Ihn, ausdrücklich ihn wollen wir erschließen. Und aus 
diesem ihrem Zweck, der von der Würde eines Selbstzweckes ist, 
leitet die historische Erkenntnis ihren Sinn her. Sie guckt nicht ein 
fach in die Vergangenheit, um irgend etwas säuberlich einzufächern, 
noch um spielerisch Altertümerchen und Anekdoten zu sammeln: sie 
will uns die unerschöpfliche Fülle des erlebten Ge 
schehens in Einheit erfaßlich machen, will uns in diesem 
Sinne Geschichte erschauen lassen. 
Wenden wir uns nun jenen Formen zu, für die uns der Geologe 
den Aufschluß schuldig war. Hier kommt das Geschehen des sickern 
den und nagenden Wassers in Betracht. Vorausgesetzt, daß wir dieses 
Geschehen nicht im Sinne der reinen Naturwissenschaft zerlegen, zu 
lauter chemisch-physikalischen Vorgängen zerfasern, deren Betrachtung 
uns sofort absolut indifferent gegenüber Ort und Zeit machen würde, 
was denken wir uns bei diesem Geschehen? Wir ermessen wohl die 
ungeheure Zeit, die wir ihm einräumen müssen, um solche Erfolge zu 
fördern, und wir erschauern vor dieser Zeit, weil wir den Maßstab 
unseres eigenen Lebens daran legen; das ist fast alles. Dem Geschehen 
selber jedoch, das ja eigentlich nur ein Zustand ist des stetigen 
Sickerns, dem denken wir höchstens so weit nach, daß wir uns das 
Zusammenfließen dieser Wässerlein ausmalen, die nun als Bäche, als 
Flüsse und Ströme gemeinsam und im großen ihre Wühlarbeit fort 
setzen, Täler graben, Land ablagern. Oder es führen uns unsere Ge
	        
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