Full text: Wirtschaft als Leben

Abschnitt IV. 
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baren Reihenfolge nach mit jener Erwägung im Einklang stehen. Das 
ergibt eine Fülle von Momenten, die unsere Erkenntnis zwingend be 
stimmen; so reich, daß eines oder das andere daraus ohne Schaden 
ausfallen könnte. Die Löcher zum Beispiel, die für die Keile und Brech 
eisen vorgebohrt erscheinen, könnten ganz gut durch Verwitterung und 
Vegetation so verunstaltet sein, daß sie, für sich betrachtet, kaum mehr 
als Spur der Menschenhand gelten dürften. Es bliebe trotzdem genug 
des imperativsten Anlasses, hier eine Reihe von Vorgängen als eine 
Verflechtung vernünftigen Tuns zu erfassen. Ein Geschehen dieser 
Struktur hat unsere Erkenntnis nicht erst zu gestalten, es drängt sich 
ihr gebieterisch auf, kraft des übereinstimmenden Zeugnisses vieler 
Instanzen. In diesem Sinne ist es keine Laune des Ausdruckes, sondern 
eine Aussage von sachlichstem Gehalt, zu sagen, daß die Historie ein 
Geschehen erschließe. Wie immer dann jener zweite Teil der 
Interpretation ausfällt, ob nun die Erklärung des erschlossenen Ge 
schehens als „Römerarbeit“ überzeugend oder zweifelhaft sei, das ändert 
an diesem prinzipiellen Verhältnisse nicht das mindeste mehr. 
Hier verrät sich gleich eine bedeutsame Korrespondenz 
zwischen dem formellen Gegensatz der beiden Erkenntnisarten 
und ihren materiellen Unterschieden. Wenn die Metahistorie 
den Sinn einer Interpolation von Geschehen hat, um Sein zu ordnen, 
die Historie aber den Sinn einer Interpretation von Sein, um Geschehen 
zu erschließen, so harmoniert dies aufs beste mit der eben gewonnenen 
Einsicht. Das Geschehen der Metahistorie hat sich formell als ein 
bloßer Konstruktionsbehelf dartun lassen; nun erhellt es materiell 
als ein Ergebnis freier Gestaltung. Die Historie wieder er 
blickt formell in ihrem Geschehen ihren Erfahrungsstoff; nun 
zeigt es sich, wie dieses Geschehen tatsächlich erschlossen sein will. 
Dem Geschehen gegenüber verhält sich die metahistorische Erkenntnis 
quasi produktiv, die historische Erkenntnis aber ausgesprochen 
rezeptiv. Hier ist eben das Geschehen das Primäre, dort eher die 
Erkenntnis. 
Man denke z. B. an den Umschwung, der in der Geologie von 
der alten, „revolutionistischen“, zur modernen Auffassung ein- 
treten konnte. Wie hätte das Geschehen, von dem man die geo 
logischen „Perioden“ getragen denkt, im Geiste jener Katastrophen 
theorie ausgesehen, und wie ganz anders sieht es nunmehr aus. Die 
moderne Auffassung, die in diesem ganzen Geschehen gleichsam nur 
eine Verlängerung dessen erblickt, was auch heute um uns vorgeht, 
ist gewiß sehr plausibel, und gewiß entspringt sie einer sorgfältigeren 
Interpretation. Aber daß eine gesteigerte Sorgfalt im Ausdeuten das 
v. Gottl-Ottlilienfeld, Wirtschaft als Leben. 24
	        
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