Full text: Wirtschaft als Leben

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.Die Grenzen der Geschichte' 
schäften: hüben die Historie und ihre echten Geistesverwandten, 
drüben die Naturwissenschaften. Die Grenzen dazwischen aber 
sind besonderer Art; nicht etwa wie z. B. jene zwischen Historie und 
Nationalökonomie, an die sich die Forschung, die stets aus eigenem 
Rechte ihre Wege geht, niemals binden muß. Diesmal sind es Grenzen 
im Sinne einer imperativen Sonderung: das Denken achtet 
ihrer, oder es betrügt sich selber, zerschneidet die Wurzeln seiner 
Gültigkeit 1 
Diese Scheidung unter den Erfahrungswissenschaften, zu der auch 
die Trennung zwischen Historie und Metahistorie als Ergänzung hinzu 
tritt, ist etwas längst Konstatiertes; sie wird seit langem ver 
fochten, im Dienste und im Geiste einer Selbsterkenntnis des 
Historischen, das sich gegen die Mäjorisierung durch die natur 
wissenschaftlichen Ideen wehren muß. Was der geniale Blick eines 
Dilthey und Windelband erschaut hat, was Rickert und 
Münsterberg durchzuführen suchen, was im historischen Lager einst 
schon Droysen glänzend vertreten hat, neuerdings Bernheim, 
Lorenz, und erst jüngst noch Eduard Meyer, von anderen 
Ausgängen her auch Schuppe und Stammler — um nur das 
Markanteste, das Zielbewußteste dieser geistigen Bewegung anzuführen 
— alles das vereint sich, trotz der großen und noch unausgeglichenen 
Divergenzen, doch in dem Einen Ziele: die Emanzipation des 
historischen vom naturwissenschaftlichen Denkenl 
Diese Selbstherrlichkeit der historischen Erkenntnis, für die 
ja am lautesten die Werke der großen Historiker zeugen, die sich aber 
auch theoretisch so wohl und tief begründen läßt, die spielen wir 
nicht als Trutz gegen die Naturwissenschaft aus. Was deren er 
leuchtete Denker kundgeben, ein Baer, ein Kirchhoff, ein Mach, 
ist vielfach Wasser auf unsere Mühle. Wir aber handeln aus Not 
wehr: gegen jene Sendboten der alleinseligmachenden Naturwissenschaft 
in unserem eigenen Lager, die uns von der gewissen Höhe „moderner“ 
Erkenntnis herab in das Geheimnis einweihen wollen, wie man eine 
Wissenschaft fertig bringt. An Comte und Spencer klammern 
sie sich an, aber jene ganze Phalanx unserer historisch-theoretischen 
Denker hätte für sie in die Luft geredet. 
Es ist aber genug endlich, daß uns Anschauungen, die auf einer 
so bemerkenswert rückständigen Grundlage ruhen, heute noch 
als das Modernste gepredigt werden. Zur Mode freilich, dafür 
sind sie geeignet, weil der Nachtrab der breiten Schichten inzwischen 
glücklich bis zu solchen Anschauungen vorgedrungen ist. Aber deshalb 
ist dies im Zeitalter der Erkenntnistheorie doch ein Biedermeier-
	        
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