Anhang, VII.
391
VII.
Im Rahmen des Gedankenganges ist jener vermittelnde Satz ganz
buchstäblich gemeint; nur so stellt er die logische Brücke vor, die von
der richtigen Prämisse zum Ergebnis der Konklusion, also zur land
läufigen „Lösung“ führt. Darin aber, daß er ganz buchstäblich ge
nommen wird, wurzelt der Denkfehler. Denn in Wahrheit ist dieser
Satz auch nur der bündige, aber ungenaue Ausdruck eines Tat
bestandes, dessen Aufdeckung hier die Korrektur ermöglichen wird.
In neunundneunzig Fällen mag es zulässig sein, diesen bündigen Aus
druck zu verwenden. Hier, wo der Satz in eine hochbedeutsame
Schlußfolge eingreift, ist jedenfalls jener hundertste Fall gegeben,. wo
dies unstatthaft ist, wo die kürzende Ungenauigkeit im Ausdruck einen
sachlichen Fehler verschuldet.
Es soll der biologischen Spezies „Mensch“ Vorbehalten sein, Träger
des vernünftigen Geschehens zu sein. Damit ist offenkundig etwas
Richtiges gemeint. Einerseits ist es der in aller Erfahrung gegebene
Träger des historischen Geschehens, was wir vom naturwissenschaft
lichen Standpunkt aus als die biologische Spezies „Mensch erfassen;
andererseits ist das historische Geschehen als ein vernünftiges spezifisch.
Diesen zweigliedrigen Tatbestand bringt jener Satz nun zu bündigem
Ausdruck; gewiß unmittelbar verständlich, ebenso gewiß aber in einer
ungenauen und dabei durch und durch inkonsequenten Weise.
Denn die biologische Spezies „Mensch“ ist im wesentlichsten Sinne
nur vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus erfaßbar.
Von diesem Standpunkte aus ist aber das vernünftige Geschehen in
ebenso wesentlichem Sinne ungreifbar. Wo für den Historiker ein
menschliches Handeln als vernünftiges Geschehen vorliegt, da sind für
den, der naturwissenschaftlich denken will, nichts als Bewegungen vor
handen, die nach einem bestimmten Modus durch Reize ausgelöst
werden. Die Bewegungen werden hierbei als Attribute des Lebewesens
erfaßt, im Sinne seiner Lebensäußerungen, und der besondere Modus
ihrer Auslösung durch Reize baut an der Eigenart der Spezies mit,
ist ihr charakteristisch. Übrigens ist dieser Modus überhaupt nur für
d en Teil der Spezies „Mensch“ inhaltlich bestimmbar, im Wege
»empirisch-psychologischer“ Untersuchung; für alle anderen Lebewesen
bleibt er durchaus problematisch; weiß Gott, wieviel wir in dieser
Hinsicht sündigen, indem wir die „Natur“ nur allzusehr nach unserem
Ebenbilde erschaffen. Jedenfalls gilt, daß jene im Modus der Reiz
auslösung charakteristischen Lebens äußerungen der Spezies