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Anhang, X.
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X.
Diese ganzen Erwägungen lehren, wie ernst in der Tat die
Scheidung zu nehmen ist, die das Historische vom Naturwissenschaft
lichen getrennt hält. Sie ergeben auch die Irrigkeit der Anschauungen,
die mit der inkonsequenten Ausdrucksweise in jenem Gedankengang,
und somit auch mit der landläufigen „Lösung“ parallel gehen. Die
Geschichte ist weit entfernt davon, daß man sie als das funktionelle
Anhängsel einer biologischen Spezies ansehen dürfte. Sie ist kein
Endchen Natur, dem man großmütig einen Kuriositäts
wert zugestehen möchte. So, wie sie für die Historie vorliegt,
ist sie vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus nicht bloß un
greifbar, es läßt sich ihr von dort aus gar nichts an die Seite stellen.
Man könnte sagen, die Geschichte ist naturwissenschaftlich
inkommensurabel. Gleiches gilt auch für die Grenzen der Ge
schichte. Mit dem Auftauchen des „Werkzeugtieres“ haben sie im
wesentlichsten Sinne nichts zu tun. Nur scheinbar verhält sich das
eine zu dem anderen so, wie das Wort der einen Sprache zum sinnes
gleichen Worte der anderen Sprache. Die Verschiedenheit der
Sprachen trifft wohl zu, aber es handelt sich um Worte, die sich über
haupt nicht übersetzen lassen. Wenn nun trotzdem die landläufige
«Lösung“ die realen Ausläufe des historischen Geschehens mit den Vor
gängen gattungsmäßiger Entwicklung identifiziert, aus denen die Spezies
«Mensch“ hervorgeht, so erhellt diese „Lösung“ nur um so deutlicher
als eine Verquickung beziehungsloser Gedankenreihen.
Allein, der gute Glaube an diese „Lösung“ hat noch einen ganz
anderen Rückhalt. Alle Inkongruenz des Historischen und des Metahisto
rischen kann man gelten lassen, und dabei doch bei der
Meinung verharren, daß auch die metahistorische Er
kenntnis ein Weg in die Vergangenheit sei, genau wie
die historische. Also könnte das metahistorisch Ermittelte unmög
lich ohne Belang für eine Frage sein, die so tief in die Vergangenheit
ausholt, wie unser Problem. Es läßt sich zunächst der folgende Ein
wand formulieren: „Ob die Geschichte nun ein naturwissenschaftliches
Gegenstück hat oder es nicht hat, jedenfalls steht es uns frei, das histo
rische Geschehen an jeder beliebigen Stelle gleichsam
i Q s Naturwissenschaftliche zu übersetzen. In der Vor
stellung substituieren wir dann für das historische Geschehen die
charakteristischen Lebensäußerungen der Spezies „Mensch“, des „Werk
zeugtieres“. Dieses Umdenken ist uns auch jederzeit im entgegen