Full text : Wirtschaft als Leben

414

„Die  Grenzen  der  Geschichte",

i

Vergangenheit  gegenüber  eine  so  eigenartige  Zwitterstellung
einnimmt.  Denn  einerseits  steht  es  fest,  daß  uns  ein  Aufschluß  über
die  kausal  erfaßte  Vergangenheit  überhaupt  nur  im  Wege  der
metahistorischen  Forschung  werden  könnte.  Daran  halten  sich
einseitig  die  landläufigen  Anschauungen,  für  welche  daher  ein  Zweifel
an  dem  Wirklichkeitsgehalt  der  metahistorischen  Ergebnisse  gar  nicht
existiert.  So  einseitig  dürfen  wir  nicht  urteilen.  Wohl  aber  ist  uns
auf  jenen  Umstand  hin  jedes  Recht  genommen,  das  metahistorische
System  von  Haus  aus  als  einen  ungültigen  Aufschluß  über  die
Vergangenheit  anzusehen,  sofern  nur  die  metahistorische  Forschung
als  solche  gültig  geübt  wird.  Auf  der  anderen  Seite  aber  müssen  wir
hier  doch  beachten,  wie  fragwürdig  das  Verhalten  der  metahistorischen ­
  Erkenntnis  gegenüber  dem  Kausalzusammenhang  der  Erscheinungen ­
  ist.  Dadurch  sind  wir  nicht  minder  außerstande,  im
metahistorischen  System  von  Haus  aus  einen  gültigen  Aufschluß
über  die  Vergangenheit  zu  ersehen.  Dieser  Widerspruch  ist  ein  so
prinzipieller,  daß  er  durch  nichts  aus  der  Welt  geschafft  werden  kann;
am  wenigsten  durch  einen  Hinweis  darauf,  in  welch  überzeugender
Weise  sich  uns  die  metahistorischen  Ergebnisse  aufdrängen.  Weil  sie
es  notwendig  nur  in  ihrer  Artung  als  metahistorische  Ergebnisse ­
  tun  können,  bleiben  alle  prinzipiellen  Verhältnisse  aufrecht,
und  damit  auch  der  Widerspruch  zwischen  ihnen.  Der  metahistorische
Weg  allein  steht  offen;  ihn  müssen  wir  gehen,  ob  es  nun  so  oder
anders  mit  ihm  bestellt  ist.  Weder  seine  Gültigkeit  noch  seinen  Trug
könnten  wir  durch  etwas  anderes  ermessen,  als  eben  durch  eine  Erwägung ­
  der  prinzipiellen  Verhältnisse;  die  aber  führt  zu  einem
Widerspruch.  Es  fehlt  jedes  weitere  Kriterium  der  Entscheidung. ­

Besonders  hier  muß  man  der  nachbarlichen  Grenzen  der  Metahistorie ­
  eingedenk  bleiben.  Nur  eben  die  sogenannte  „historische“
Geologie,  nur  die  „historische“  Biologie  hat  an  der  Metahistorie
teil,  alles  schlechtweg  Geologische,  alles  schlechtweg  Paläontologische
gehört  selbstverständlich  nicht  mehr  dazu,  wird  also  durch  jene
Erwägungen  gar  nicht  berührt.  So  sind  alle  Aufschlüsse
über  die  Art  und  Lagerung  der  Gesteine,  über  die  biologische  Eigenart
der  paläontologischen  Funde,  über  die  Art  ihres  Einschlusses,  sie  alle
sind  schlechthin  wahr,  sofern  nur  die  Forschung  gültig  geübt
wird.  Sobald  man  jedoch  von  dem  „Über“  und  „Unter“  der  Schichten
auf  das  „Vorher“  und  „Nachher“  schließt,  aus  dem  „Höheren“  und
„Niederen“  der  Lebensformen  auf  das  „Jünger“  und  „Älter“  der
Gattungen,  dann  muß  notwendig  eine  Interpolation  von  Ge-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.