Full text : Wirtschaft als Leben

Anhang,  XIX.

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beantwortet.  Unserem  Denken  blüht  dann  wohl  die  Gelegenheit,  sich
das  Vergangene  plausibel  auszumalen,  aber  unsere  Erkenntnis
wird  nur  um  einen  uneinlösbaren  Wechsel  reicher!

XIX.
Wenn  nun  die  Ergebnisse  der  Metahistorie,  als  Aufschlüsse  über
die  Vergangenheit  genommen,  weder  falsch  noch  richtig  sind,  was  sind
sie  denn?  Wenn  das  metahistorische  System  der  „Epochen“  und
„Stammbäume“  gar  nicht  auf  dem  Wege  zum  Ideale  einer  Aufrollung
des  Kausalzusammenhanges  liegt,  welchem  Ideale,  welchem  Erkenntnisziele ­
  strebt  denn  eigentlich  die  metahistorische  Forschung  zu,  um  ihr
Vorgehen  danach  einzurichten,  um  auch  nur  den  Antrieb  zu  empfinden, ­
  ihre  Feststellungen  immer  ausgebreiteter  vorzunehmen,  immer
gewissenhafter  zu  deuten  ?  Jagt  sie  nur  einem  Phantome  nach,  wäre
sie  nur  eine  gelehrte  Spielerei,  ein  bloßes  Wühlen  im  Schatze  der
naturwissenschaftlichen  Erkenntnisse  ?  Die  Antwort  auf  alle  diese  Fragen
ist  mit  der  Charakteristik  der  Metahistorie  längst  geliefert  worden.
Es  soll  uns  jetzt  aber  aus  seinen  inneren  Zusammenhängen
klar  werden,  was  sich  bisher  nur  aus  dem  mehr  äußerlichen  Vergleich
mit  der  Historie  feststellen  ließ.
Es  könnte  gar  kein  Selbstzweck  für  die  Metahistorie  sein,  Aufschluß ­
  über  die  Vergangenheit  zu  erbringen,  wenn  ihre  Ergebnisse  in
dieser  Hinsicht  weder  falsch  noch  wahr  sind.  Trotz  dieser  Zwitternatur ­
  erlangen  aber  die  metahistorischen  Ergebnisse  sofort  den  vollsten
wissenschaftlichen  Wert,  wenn  jene  Wendung  gegen  die  Vergangenheit ­
  nur  ein  Mittel  zum  Zweck  ist,  der  Zweck
also  über  jene  zwitterhaften  Aufschlüsse  hinausliegt.
Dies  trifft  in  der  Tat  zu:  in  so  engem  Zusammenhang  mit  der  ganzen
Artung  der  metahistorischen  Erkenntnis  steht  ihr  Beruf,  die  räumlichen ­
  Dinge  zeithaft  zu  ordnen!  Da  kommt  es  wirklich  nicht
darauf  an,  ob  dieses  System  der  „Epochen“  und  „Stammbäume  nach
seinem  Verhältnis  zur  Vergangenheit  schlechthin  wahr  ist;  es  genügt, ­
  wenn  dieses  System,  als  ein  System  des  Ordnens,  in  sich
wahr  ist.  So  bedarf  es  auch  keiner  Annäherung  an  die  absolute  Gewißheit ­
  über  das  Geschehene,  um  uns  ein  Ding  aus  seinem  Werden  erfaßlicher
  zu  machen.  Es  genügt,  wenn  diese  „genetischen  Erklärungen“,
die  zusammen  die  zeithafte  Ordnung  der  Dinge  ergeben,  untereinander ­
  im  Einklang  sind.  Denn  es  unterliegen  hier  im  Wesen  abstrakte ­
  Beziehungen,  die  zwar  vom  Konkreten  ausgehen,  und  auf  das
v.  Gottl-Ottlilienfeld,  Wirtschaft  als  Leben.  2*]
            
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