Full text : Wirtschaft als Leben

418

,Die  Grenzen  der  Geschichte“,

Konkrete  rückstrahlen,  die  aber  unter  sich  nur  ein  inneres  und  kein
äußeres  Kriterium  der  Wahrheit  handhaben  lassen.  Das  Fehlen  dieses
äußeren  Kriteriums  bekundet  sich  gerade  darin,  daß  diese  Ergebnisse,
als  Aufschlüsse  über  die  Vergangenheit,  weder  wahr  noch  falsch  sind.
Es  wäre  in  der  Tat  unberechtigt,  zu  erwarten,  daß  sich  die  metahistorischen ­
  Ergebnisse  gegenseitig  kontrollieren,  kraft  ihrer
Beziehung  zur  Vergangenheit;  sie  können  immer  nur  untereinander ­
  harmonieren,  aus  dem  Gesichtspunkte  ihrer  Stellung  im
ganzen  Systeme;  mit  dem  Erfolge,  daß  die  zeithafte  Ordnung  der
Dinge  eine  steigend  plausible  wird.  In  solchem  Geiste  beruft
sich  das  einzelne  metahistorische  Ergebnis  für  seine  Wahrheit  auf  die
Wahrheit  aller  übrigen;  sie  alle  sind  solidarisch  gültig,  im
Sinne  ihres  Zusammenschlu  sses  zueinem  in  sichwahren
Systeme.  Hier  erhellt  zugleich,  weshalb  der  Glaube  an  die  Realität
dieser  abstrakten  Beziehungen  der  Forschung  keinen  Eintrag  tut.  Für
alle  metahistorischen  Ergebnisse  gilt  gleichmäßig  der  einschränkende
Vordersatz,  daß  die  Dinge  so  lägen,  als  ob  sich  dies  oder  jenes  zugetragen ­
  hätte.  Solange  man  nun  im  Bereiche  der  Metahistorie  bleibt,
läßt  sich  diese  Einschränkung  gleich  einem  gemeinsamen  Nenner  ignorieren, ­
  und  man  darf  ohne  Schädigung  der  erzielten  Erkenntnis  die
metahistorischen  Ergebnisse  so  auffassen,  als  würden  die  Dinge  dafür
zeugen,  daß  sich  dies  oder  jenes  zugetragen  hätte.

XX.
Das  prekäre  Verhältnis  der  Metahistorie  zur  Vergangenheit  kann
man  durch  einen  etwas  phantastischen  Gedankengang  verdeutlichen.  Den
biogenetischen  Disziplinen  liegt  der  Gedanke  des  Einen  Blutzusammenhanges ­
  zugrunde,  der  alle  Lebewesen  verknüpft.  Die  konkreten  Grundlagen ­
  dieses  Gedankens,  die  bezüglichen  biologischen  Beobachtungen  und
Versuchsreihen,  sind  noch  verhältnismäßig  dürftig.  Denken  wir  uns
diese  Unterlagen  auf  die  höchste  Stufe  der  Vollkommenheit  gebracht.
Nehmen  wir  an,  es  wäre  „züchtungsexperimentell“  gelungen,  jede  beliebige ­
  Spezies  über  die  entsprechenden  Mittelglieder  hinweg  in  jede
beliebige  andere  Art  zu  überführen.  Die  Spezies  „Mensch“  nehme  ich
bei  dieser  Vorstellung  ausdrücklich  nicht  aus.  Vom  Standpunkte  der
Historie  und  aller  ihrer  Probleme,  die  metaphysischen  ein  geschlossen,
bliebe  es  absolut  gleichgültig,  ob  es  nun  schlecht  und  recht  ein  herangewachsenes ­
  Kind  oder  ein  heran  gezüchteter  „Homunculus“  ist,  wodurch ­
  sich  das  historische  Geschehen  um  einen  neuen  Knotenpunkt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.