Full text: Wirtschaft als Leben

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,Die Grenzen der Geschichte“, 
pflegte: der vernünftige Gebrauch des Werkzeuges. Nun ist zu 
zugeben, daß mit diesem Geschehen die Historie im engeren Sinne 
des Wortes nichts anzufangen wüßte. Eher noch ihre Schwester im 
Geiste, die Nationalökonomie. Der Nationalökonom, der den 
Zusammenhängen des alltäglichen Geschehens nachgeht, kann ja bis 
zu einem gewissen Grade das bekannte Buffonsche Wort variieren und 
ohne arge Übertreibung sagen: Weiset mir ein gebräuchliches Werk 
zeug vor, und ich entwerfe euch darnach ein Bild von dem ganzen 
Tun und Treiben der Leute, die sich seiner zu bedienen pflegten! 
Für den Historiker aber wäre der praktische Belang dieser 
Tatsachen gleich Null. Ihm kann das erschlossene Geschehen kein 
Interesse abnötigen, weil aller Wahrscheinlichkeit nach jeder Anhalt 
fehlt, um dieses Geschehen als ein konkretes und individuelles zugleich 
dem Geschehenszusammenhang der Geschichte einzuflechten. Deshalb 
gebricht es dem Historiker auch an der Möglichkeit, dieses Geschehen 
irgendwie einzudatieren. Trotzdem braucht er sich nicht der 
naheliegenden Einsicht zu verschließen, daß uns da ein sehr altes 
Geschehen vorliegt: ein Geschehen, das dem Historiker bis zur 
Interesselosigkeit alt erscheint, da es bereits jenseits aller 
Grenzen der Möglichkeit einer Geschichtsschreibung liegt. Ob der 
Nationalökonom in bezug auf Eindatierung glücklicher ist, ob er sich 
auf seinen eigenen Wegen nicht doch eine Vorstellung vom Alter 
dieses Geschehens zu machen wüßte, soll hier unerörtert bleiben. Es 
wäre sonst eine Auseinandersetzung mit der „historischen Anthropo 
logie“ nötig, die gerade an solchen Stellen, ihren naturwissen 
schaftlichen Charakter verkennend, der National 
ökonomie ins Handwerk pfuscht! Denn es ist kein Zweifel, 
daß auch diese überlieferungslose „Urzeit“, bei der es jedoch ein 
Geschehen vom Boden der Denkgesetze aus zu erschließen gilt, 
in die Kompetenz der Nationalökonomie gehört; sofern 
man diese richtig auffaßt, als Erfahrungswissenschaft vom Alltagsleben 
aller Zeiten, als jene Disziplin, mit der sich eine zweite Möglichkeit 
historischer Erkenntnis verwirklicht — sobald nämlich der Geschehens 
zusammenhang der Geschichte nicht nach den roten Fäden seines 
Verlaufes, nicht als ein Geflecht von „Ereignissen“ aufgerollt wird, 
sondern im Walten der kürzenden Denkformen „Zustand“ und „Ent 
wicklung“. 
Soviel steht fest, daß für die Nationalökonomie und für die 
Historie im engeren Sinne, für alle historische Erkenntnis also, die 
metahistorischen Ermittlungen völlig irrelevant bleiben, trotzdem 
sie an die gleiche Tatsachengruppe anknüpfen: Irrelevant die Zeit-
	        
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