Anhang, XXV.
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Richtung führen muß; es geht in der Tat auch „links
herum“l Auch der Instinkt, von dem sich die Kritik im Vortrage
leiten ließ, hat sich bewährt. Denn soviel steht wohl außer Zweifel,
daß alle Diskussion unseres Problems und seiner Lösung auf einen
Streit der Kompetenzen hinauslaufen muß. Wenn nicht alle
Zeichen trügen, unterliegt da wirklich eine Verquickung von
Erkenntnisarten, die einander bis in die Wurzel
fremd sind. Verführerisch aber wäre die Lösung im letzten Grunde
deshalb, weil die Verlockung gar zu groß ist, eine Frage,
die auf dem einen Erkenntnisgebiete als offene klafft,
durch die Ergebnisse zu beantworten, die von dem
anderen Erkenntnisbereiche her dieser Frage ent
gegenzueilen scheinen.
Nun erst, da sich die „Lösung“ als irrig erwiesen hat, die uns in
solchem Grade selbstverständlich dünkt, daß sie das Problem
gleichsam unter sich begräbt, wäre die Bahn frei für eine
abschließende Diskussion des Problems. Da stehen wir
jedoch sofort vor einer eigentümlichen Situation. So berechtigt die
Abkehr von dieser „Lösung“ wäre, es ist eben doch keine Lösung
teile quelle, von der wir uns lossagen; eher will es scheinen, daß sie
die Lösung des Problems bedeuten würde, jene nämlich, die, wie die
Dinge liegen, die allein mögliche scheint. Denn woher sollte
sonst die Lösung kommen? Die Frage nach den realen Ausläufen
des historischen Geschehens kann doch nicht im Wege historischer
Forschung gelöst werden 1 Hat es sich aber erwiesen, daß man das
Problem auch im Wege der metahistorischen Forschung bloß aus Selbst
betrug unseres Denkens zu lösen vermag, welche andere Möglichkeit
bliebe da noch, dieses Problem erfahrungswissenschaftlich
zu lösen 1 So drängt sich uns der Gedanke an die Unlösbarkeit
dieses Problems auf. Freilich nur vom Boden der Erfahrungs
wissenschaft aus. Wie sich die Metaphysik dazu stellt, muß uns für
unseren Teil gleichgültig bleiben. Höchstens dürften wir noch
konstatieren, daß unser Problem ausgesprochen ein metaphysisches
se i. Damit wäre aber nur mit anderen Worten gesagt, daß sich eine
erfahrungswissenschaftliche Lösung dieses Problems von Haus aus
verbietet.
Gerade dafür bedürfte es aber eines präzisen, eingänglichen Aus
druckes. Es gilt eine einfache Formel für die Unlösbarkeit
unseres Problems zu finden, und damit zugleich den Schlüssel
für alle aufgedeckten Verhältnisse: Für den Gegensatz
zwischen Historie und Metahistorie, für die radikal verschiedene Stellung
v. Gottl-O ttlilienf e 1 d, Wirtschaft als Leben. ^^