Full text : Wirtschaft als Leben

Anhang,  XXVI.

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von  der  einen  und  ungeteilten  Erkenntnis  empor.
Neben  dieser  konnte  nur  die  heillos  verfahrene  stoffliche  Scheidung
„Natur  und  Geist“  bestehen.  Nun  kommt  ein  ganz  anderer,  ein
sachlicher,  nüchterner  Dualismus  zur  Geltung:  hüben  der  historische,
drüben  der  naturwissenschaftliche  Erkenntnis  weg.  Die
Deutungen  sind  noch  unausgeglichen,  stehen  vielfach  noch  in  mißverständlicher ­
  Gegnerschaft;  aber  darin  harmonieren  sie,  daß
man  dem  historischen  Denken  in  einer  bedeutsamen
Hinsicht  den  Vorrang  vor  dem  naturwissenschaftlichen ­
  zugesteht.  Es  betrifft  das  Verhältnis  zum  schlechthin
Gegebenen,  von  dem  alle  Erkenntnis  den  Ausgang  nehmen  muß,
zur  empirischen  Wirklichkeit.  Ihr  steht  nicht  das  naturwissenschaftliche, ­
  sondern  ausdrücklich  das  historische  Denken  so
nahe,  wie  es  bei  der  Artung  unseres  Denkens  überhaupt ­
  möglich  ist.  Offenbar  war  hier  das  Vorurteil  zu  überwinden, ­
  daß  wir  naturwissenschaftlich  denken  müßten,  um  der
Wirklichkeit  nahe  zu  bleiben.
Gesetzt  z.  B.,  wir  dürften  die  empirische  Wirklichkeit  dem  Erleben
gleichsetzen,  das  zwar  Erlebtes  und  Erlebendes  trennen  läßt,  eine
Zerfällung  aber  in  „Sinnliches“  und  „Seelisches“  noch  im  Prinzipe
ausschließt.  Die  Übereinstimmung  im  Erleben  würde  uns  den
„Glauben  an  die  Realität  der  Außenwelt“  zubringen,  wie  vorher  schon
die  Übereinstimmung  im  Denken  und  in  der  Verflechtung  des
Geschehens  den  Glauben  an  das  andere  Ich.  Gesetzt,  es  wäre  also  das
Element  der  empirischen  Wirklichkeit,  ihr  letzter  Bruchteil,  in  der
Erlebung  zu  suchen;  ein  schlichtester  Modus  der  Aktualität,  der  sich
nur  mehr  durch  Eingriffe  unseres  Denkens  in  „Empfindungsreihen“
zerlegen  ließe,  die  sich  über  das  „stellungnehmende  Subjekt“  hinüber
verweben.  Dieses  Element  der  Wirklichkeit  könnte  nun  im  Geiste
jener  modernen  Anschauung  nur  für  das  historische  Denken
zum  Inhalt  werden,  nie  aber  für  das  naturwissenschaftliche.
Selbst  die  schlichteste,  scheinbar  unverfänglichste  „Tatsache  ,  die  das
naturwissenschaftliche  Denken  sich  selber  zu  unterlegen  sucht,  wäre
schon  etwas  Abgeleitetes,  ein  gedankliches  Destillat  aus
d en  Erlebungen  des  Forschers.  In  gleichem  Geiste  wäre
auch  die  ganze  Natur  nicht,  wie  sie  unsern  Dichtern  mystisch  als
„Allmutter“  vorschwebt,  sondern  wie  sie  der  Naturwissenschaft  Inhalt
und  Namen  gibt  —  nur  eine  gedankliche  Verarbeitung  der
Totalität  des  Erlebten;  wobei  die  Kausalität,  als  die  dem
„Naturgesetz“  koordinierte  Form  der  Beziehung,  das  denknotwendige
Prinzip  der  Umwandlung  vorstellt.
            
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