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Die Grenzen der Geschichte“,
sich beide aufs beste. Die Atomistik setzt bei dem Zeithaften
von Vorgängen ein. Der ganze Chemismus, wie er als Unterlage
der Atomistik gedacht wird, ist ja nur eine Gesamtheit von Vorgängen,
den „Reaktionen“, die wir im attributiven Sinne so zusammenfassen,
daß wir uns als ihren Träger die „Materie“ denken, die sich kraft der
nämlichen Vorgänge dann als „Stoff“ qualifiziert. Dieses Zeithafte
von Vorgängen wird nun in das Raumhafte eines diskreten Aufbaues
der „Materie“ so umgedacht, daß aus den Vorgängen ein geschlossenes
System wird. Hier erscheint also ein Nacheinander in ein Neben
einander gewandelt. Es werden Zeitwerte zum Behufe
ihrer Systematischen Ordnung inRaumwerte umgedacht.
Mit der Metahistorie aber werden Raumwerte
behufs ihrer systematischen Ordnung in Zeitwerte
umgedacht Die Metahistorie setzt beim Raumhaften ein: Gesteine
und ihre Lagerung, Lebewesen, Weltkörper. Von da aus schreitet
sie zur Konstruktion ihrer „Epochen“ und „Stammbäume“, mit denen
sie das Nebeneinander in ein Nacheinander, das Seiende in Werdendes,
das Raumhafte also in lauter zeithafte Beziehungen wandelt, um ein
einheitliches System daraus zu machen. Dem diskreten Aufbau der
„Materie“ entspricht hier der subjektlose Verlauf kausalen
Geschehens. Metahistorie wie Atomistik operieren mit der An
nahme einer subjektlosen Welt; im Gegensatz zur empirischen Welt,
die ja in ebenso wesentlichem Sinne nur mit uns ist, wie auch wir
nur mit ihr. In jener Annahme einer subjektlosen Welt bekundet
sich der wesentliche Schritt von der empirischen Wirklichkeit noch
weiter fort. Das Erlebte wird nicht einfach „objektiviert“, wie es alle
Naturwissenschaft schon als solche tut: Metahistorie und Atomistik
setzen das „Objektivierte“ noch für sich selber in weitere gedank
liche Beziehungen.
In keinem Punkt gibt die eine der anderen etwas nach. Vom
Boden der Atomistik aus vermögen wir uns auch über die absolute
Größe der Molekeln und Atome eine Vorstellung zu machen. Auch
hier wird es der Nächstbeteiligte, der Chemiker von Fach sein, der
im Durchschnitt am meisten geneigt ist, an die Realität der ab
strakten Beziehungen zu glauben, aus denen das atomistische System
gewoben ist. Trotzdem ist gegen die Atomistik längst das Wort vom
„bloßen Handwerkszeug einer Spezialwissenschaft“ (Mach) gefallen.
Der Mangel an Wirklichkeitsgehalt, der den atomistischen Vorstellungen
eigen ist, liegt eben doch verhältnismäßig klarer zutage. Man kann
sich unschwer zurechtlegen, daß uns die Molekeln und Atome nicht
erst deshalb unsichtbar bleiben, weil sie in ihrer Kleinheit bereits