Full text : Wirtschaft als Leben

43§

Die  Grenzen  der  Geschichte“,

sich  beide  aufs  beste.  Die  Atomistik  setzt  bei  dem  Zeithaften
von  Vorgängen  ein.  Der  ganze  Chemismus,  wie  er  als  Unterlage
der  Atomistik  gedacht  wird,  ist  ja  nur  eine  Gesamtheit  von  Vorgängen,
den  „Reaktionen“,  die  wir  im  attributiven  Sinne  so  zusammenfassen,
daß  wir  uns  als  ihren  Träger  die  „Materie“  denken,  die  sich  kraft  der
nämlichen  Vorgänge  dann  als  „Stoff“  qualifiziert.  Dieses  Zeithafte
von  Vorgängen  wird  nun  in  das  Raumhafte  eines  diskreten  Aufbaues
der  „Materie“  so  umgedacht,  daß  aus  den  Vorgängen  ein  geschlossenes
System  wird.  Hier  erscheint  also  ein  Nacheinander  in  ein  Nebeneinander ­
  gewandelt.  Es  werden  Zeitwerte  zum  Behufe
ihrer  Systematischen  Ordnung  inRaumwerte  umgedacht.
Mit  der  Metahistorie  aber  werden  Raumwerte
behufs  ihrer  systematischen  Ordnung  in  Zeitwerte
umgedacht  Die  Metahistorie  setzt  beim  Raumhaften  ein:  Gesteine
und  ihre  Lagerung,  Lebewesen,  Weltkörper.  Von  da  aus  schreitet
sie  zur  Konstruktion  ihrer  „Epochen“  und  „Stammbäume“,  mit  denen
sie  das  Nebeneinander  in  ein  Nacheinander,  das  Seiende  in  Werdendes,
das  Raumhafte  also  in  lauter  zeithafte  Beziehungen  wandelt,  um  ein
einheitliches  System  daraus  zu  machen.  Dem  diskreten  Aufbau  der
„Materie“  entspricht  hier  der  subjektlose  Verlauf  kausalen
Geschehens.  Metahistorie  wie  Atomistik  operieren  mit  der  Annahme ­
  einer  subjektlosen  Welt;  im  Gegensatz  zur  empirischen  Welt,
die  ja  in  ebenso  wesentlichem  Sinne  nur  mit  uns  ist,  wie  auch  wir
nur  mit  ihr.  In  jener  Annahme  einer  subjektlosen  Welt  bekundet
sich  der  wesentliche  Schritt  von  der  empirischen  Wirklichkeit  noch
weiter  fort.  Das  Erlebte  wird  nicht  einfach  „objektiviert“,  wie  es  alle
Naturwissenschaft  schon  als  solche  tut:  Metahistorie  und  Atomistik
setzen  das  „Objektivierte“  noch  für  sich  selber  in  weitere  gedankliche ­
  Beziehungen.
In  keinem  Punkt  gibt  die  eine  der  anderen  etwas  nach.  Vom
Boden  der  Atomistik  aus  vermögen  wir  uns  auch  über  die  absolute
Größe  der  Molekeln  und  Atome  eine  Vorstellung  zu  machen.  Auch
hier  wird  es  der  Nächstbeteiligte,  der  Chemiker  von  Fach  sein,  der
im  Durchschnitt  am  meisten  geneigt  ist,  an  die  Realität  der  abstrakten ­
  Beziehungen  zu  glauben,  aus  denen  das  atomistische  System
gewoben  ist.  Trotzdem  ist  gegen  die  Atomistik  längst  das  Wort  vom
„bloßen  Handwerkszeug  einer  Spezialwissenschaft“  (Mach)  gefallen.
Der  Mangel  an  Wirklichkeitsgehalt,  der  den  atomistischen  Vorstellungen
eigen  ist,  liegt  eben  doch  verhältnismäßig  klarer  zutage.  Man  kann
sich  unschwer  zurechtlegen,  daß  uns  die  Molekeln  und  Atome  nicht
erst  deshalb  unsichtbar  bleiben,  weil  sie  in  ihrer  Kleinheit  bereits
            
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