Full text : Wirtschaft als Leben

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,Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

bleiben.  Die  Eigenart  ist  also  ausgesprochen  empirischer  Natur.
Auf  sie  läßt  sich  daher  nur  eine  empirische  Singularität  gründen.
Mit  dieser  empirischen  Singularität  wäre  aber  den  Interessen
des  idiographischen  Denkens  nicht  gedient,  wenn  es  ein  wissenschaftliches ­
  Denken  sein  will.  Gerade  in  der  Richtung,  die  ihm
spezifisch  ist,  in  der  Richtung  auf  das  Besondere,  dürften  seine  Ergebnisse ­
  nicht  von  bloß  empirischem  Werte  sein.  Gerade  in  dieser
Richtung  müssen  die  Ergebnisse  allgemeingültige  sein;  das  will
in  dieser  rein  formalen  Hinsicht  sagen:  sie  müssen  auf  der  Erfahrung
beruhen,  ohne  doch  von  dem  Umkreis  der  Erfahrung  abhängig  zu
sein.  Weil  nun  die  Urteile  über  die  Artung  nicht  fähig  sind,  nach
solchen  Ergebnissen  hin  zu  vermitteln,  so  spielen  sie  im  idiographischen
Denken  keineswegs  jene  wesentliche  Rolle,  die  ihnen  der  lebhafte  Anschein ­
  zuspricht.  Es  liefert  eine  Gegenprobe  hierfür,  hält  man  sich
vor,  wohin  ein  Denken  führen  würde,  das  überall  nur  der  Eigenart
auf  die  Spur  ginge.  Was  eigenartig  ist,  ist  anders  als  alles  Andere.
Im  Enderfolge  erbrächte  also  jenes  Denken  den  Nachweis,  daß  Alles
anders  als  alles  Andere  sei  —  die  Türe  wäre  eingerannt,  die  mit  der
alten  Volksweisheit,  daß  kein  Ei  dem  anderen  gleiche,  weit  offensteht.
Überdies  wäre  sozusagen  die  ganze  Wirklichkeit  zu  eitel  Eigenartigkeiten ­
  in  Trümmer  geschlagen  und  somit  das  Chaos  wieder  da,  das  zu
bewältigen  unser  allgemeinbegriffliches  Denken  bestrebt  war.  So
brauchen  wir  uns  im  Grunde  nicht  zu  wundern,  daß  sich  aller  idiographischen ­
  Erkenntnis  ein  starres  Vorurteil  entgegenstemmt:  Man
überschätzt  eben  die  Rolle,  die  für  das  Besondere  der  Dinge  ihre
Eigenart  spielt,  und  wähnt  daher,  in  Unkenntnis  der  wahren  Sachlage, ­
  daß  die  Richtung  auf  das  Besondere  schließlich  doch  nur  zu  jener
widersinnigen  Umkehrung  des  nomothetischen  Denkens  führe;  zum
mindesten  aber,  daß  hinter  dem  idiographischen  Erkennen  erst  noch
jedesmal  das  nomothetische  eingreifen  müsse,  um  „Ordnung  zu  schaffen“.
Die  extreme  Determination  des  Stammbegriffes,  die  über  arthafte ­
  Urteile  hinüber  zur  Erfassung  der  Eigenart  führt,  liefert  also
noch  immer  nicht  den  Sonderbegriff.  Zwar  ist  bloß  mehr  der  Bezug
auf  ein  einziges  Konkretum  da,  der  Allgemeinbegriff  hat  seinen.
Umfang  eingebüßt.  Aber  dies  ist  rein  der  Tatsache  nach  eingetreten,
prinzipielle  Bedeutung  hat  dieser  Wandel  nicht.  Denn  selbst  der  extrem
determinierte  Stammbegriff  ist  geblieben,  was  er  war:  Wenigstens
potentiell  ist  auch  er  ein  Allgemeinbegriff,  weil  Artgenossen
dieses  Konkretums  denkbar  sind;  die  Erfahrung  spricht  nur  gegen
ihre  Existenz,  nicht  gegen  die  Möglichkeit  dieser.  So  ist  die  spezifische ­
  Umbildung  des  Stammbegriffes,  der  Wandel  von  einer  nomo ­
            
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