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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung‘
Bestimmtheit, für alle Dinge unserer gewöhnlichen Umgebung. Aber
dieses ganze System der subjektiven Lagebestimmung kommt hier
nicht weiter in Betracht. Uns interessiert jene objektive Lage
bestimmung, von der auch unser Beispiel Gebrauch macht.
Der X-Berg, heißt es da, liegt unter dem m. Grade nördlicher
Breite und n. Grade östlicher Länge v. G. Dies ist zweifellos eine
objektive Lagebestimmung. Anders könnte auch „Dingskirchen“
nicht bestimmt werden, wenn es daneben auch für die „Dingskirchner“
in subjektiver Bestimmtheit verharrt. Auch zur objektiven Bestimmung
verflechten sich zwei Urteile über die Lage, die ihrer Natur nach offen
sichtlich auf diese Verflechtung angelegt sind. Woran knüpfen diese
Urteile nun an? Eines von ihnen nennt ein geographisches Konkretum:
Greenwich 1 Aber dies ist nur der im Wege eines Übereinkommens
gewählte Nullpunkt des Systems; und alles, was seine Wahl betrifft,
gehört zur Durchführung des Systems, das eine bewunderungswürdige
Leistung des theoretischen Denkens vorstellt. Hier handelt es sich um
den Sinn dieses Systems. Wie immer nun die Unverwechselbarkeit
des Ichs hier in versteckter Weise mitbeteiligt sein mag, es ist vor
allem wichtig, daß sich dieses geographische System der objektiven
Lagebestimmung an die Allheit anlehnt; gemeint im räumlichen
Sinne — als die schrankenlose Weiterdehnung jenes räumlichen Zu
sammenhanges aller Dinge, den die Wirklichkeit selber anschaulich
vor uns ausbreitet — sagen wir, als der räumliche Allzusammen
hang. Dieser ist, aus Zwang unseres Denkens, nur einmal undimmer
als der nämliche da, ist das an sich Singuläre. Aber gerade,
weil er selber schrankenlos ist, ersteht die Frage, wie er der
Hort aller Lagebestimmtheit sein kann. Nun, bekanntlich hilft sich die
Geographie damit aus dem Schrankenlosen heraus, daß sie den räum
lichen Allzusammenhang auf die Erdoberfläche reduziert, diese
wenigstens als Basis wählt. Aber warum dies? Der Umstand, daß
die Erdoberfläche, als eine in sich verlaufende Kugelfläche, besondere
Vorteile als Reduktionsbasis darbietet, kann nicht entscheidend sein.
Soweithin spricht ein historischer Zufall, unser neuzeitliches Weltbild
mit. Das Prinzip aber, nach weichemeine, die Unverwechsel
barkeit der Allheit in sich tragende Basis für alle Lage
bestimmung gewählt wird, als Hort aller Singularität, müßte auf das
Vorptolomäische oder irgendein anderes Weltbild genau so anwendbar
bleiben. Dieses Prinzip lassen wir vorläufig in der Schwebe.
Soviel ist aber im voraus sicher: Dieses Prinzip muß mit den letzten
Gründen Zusammenhängen, aus denen wir überhaupt idiographisch
denken, das will sagen, Interesse am Besonderen der Dinge nehmen.