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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
diese Dinge nicht als Einzeldinge in Betracht, wie beim Artbegriff,
sondern selbst wieder als unbestimmte Vielheiten; und was
sie als untereinander verwechselbar erscheinen läßt, ist die bei allen
wiederkehrende Art und Weise, wie sie sich aus Einzelnen
aufbauen. Während also der Artbegriff von unbestimmt vielen
Einzelnen das schlechthin Gemeinsame abhebt, hebt der
Kollektivbegriff von unbestimmt vielen Vielheiten das Ge
meinsame ihres Aufbaues aus Einzelnen ab. So ist z. B.
der Allgemeinbegriff „Wald“ ein Kollektivbegriff, weil mit ihm die un
bestimmte Vielheit aller „Wälder“ gedanklich aufgehoben erscheint, die
alle untereinander auf die besondere Art und Weise hin verwechselbar
sind, in der sie sich aus vielen Bäumen, aus Buschwerk, Moos- und
Streuflächen u. dgl. aufbauen. Mit dem Art begriff verglichen, stellt:
der Kollektivbegriff offenbar schon ein verwickelteres Schema
dar, nach welchem sich das Mannigfaltige der Wirklichkeit zu kate-
gorialer Einheit zusammenfassen läßt. Und nach diesem Schema
machen uns die Urteile über die Struktur das Konkretum verständlich.
Um den Kollektivbegriff richtig zu würdigen, muß man das
Kollektivum, also den einzelnen Fall seiner Verwirklichung, zu
dem bloßen Inbegriff in Gegensatz stellen. Auch mit dem
Inbegriff ist eine Vielheit von Dingen in eins gefaßt. Über deren
Umkreis entscheidet aber etwas, das nicht schon in den Beziehungen
der umfaßten Dinge selber angelegt ist. Die Zusammenfassung, so
könnte man sagen, ist hier auf äußere, nicht auf innere Be
dingungen gestellt. Z. B. läßt sich der Inbegriff der „auf dem Plateau
von Dingskirchen gelegenen Berge“ bilden; hier zieht die Fläche des
Plateaus den Umkreis, und diese hat mit den Beziehungen innerhalb
der zusammengefaßten Berge offenkundig nichts zu tun. Sagen wir
dagegen unseren Berg als das „kegelförmige System seiner Hänge“
aus, dann ist die Zusammenfassung der Hänge nicht von außen an sie;
herangebracht, sie ist in ihren eigenen Beziehungen angelegt. Hier
tritt uns nun jenes eigentümliche Verhältnis zwischen dem Ganzen
und seinen Teilen entgegen, das dem Inbegriff fehlt: bei
letzterem dürfte man nur von der Gesamtheit und ihren Bestandteilen
sprechen — wenn sich unsere Sprache an so subtile Dinge kehren
würde I Als das „kegelförmige System seiner Hänge“ repräsentiert
unser Berg deshalb ein richtiges Ganzes, weil er die um
schließende Vielheit darstellt, die sich den umschlossenen
Einzelnen gegenüber vor unserem Denken als Einheit
zur Geltung bringt. So ungefähr ließe sich für unsere Zwecke
das vielerörterte Verhältnis ausdrücken, wie das Ganze jene Teile „trägt“,