Umrisse einer Theorie des Individuellen, I, B.
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sind also im Rahmen jenes Allgemeinen die Einzelnen gemäß ihrer
Funktion. Man darf vom Funktionell-Allgemeinen
sprechen, dem als nomothetische Denkform der Funktionalbegriff
entspricht, der sich, als die dritte Variation des Allgemeinbegriffes,
neben Art- und Kollektivbegriff stellt. Wir dürfen somit die
Eigenart jener Aussagen logisch darin kennzeichnen, daß sie mit
dem Funktionalbegriff arbeiten; „Ausläufer“, „Krönung“,
„Hauptstock“ sind die uns absehbaren Beispiele dieses Begriffes,
durchaus schlichtester Art.
Jeder Funktionalbegriff legt eine stille Berufung auf jenen
Kollektivbegriff ein, den er in einer Einzeih eit des vielgestaltigen
Verhältnisses zwischen dem Ganzen und seinen Teilen erläutert;
so hält es der Begriff „Ausläufer“ mit dem Kollektivbegriff „Höhenzug“,
als dem, das mit irgend einem seiner Teile „ausläuft“. Dieses
Wechselspiel zwischen Kollektiv- und Funktional
begriff antwortet in spezifischer Weise dem Charakter des idio-
graphischen Denkens. Dieses lehrt uns überall aus dem
Ganzen das Einzelne so verstehen, daß wir im Ein
zelnen auch schon das Ganze ermessen. Es vermittelt
stets „organische“ Auffassung in jenem tiefen Kantischen Sinne, daß
wir einsehen, wie Alles um Eines, und jedes Einzelne um Aller willen
da scheint.
Da jene abschließenden Aussagen eine Fortbildung und Synthese
aller vier Bestimmungsweisen bedeuten, erscheint mit ihnen je eine
Anzahl der verschiedenartigsten Bestimmungen zu begrifflicher
Einheit ausgeglichen. Bestimmungen, die zu einem Teil die
Eigenart, zum anderen die Eigenlage konstituieren helfen, streben jetzt
nicht mehr auseinander. Sie reflektieren jetzt nicht mehr bloß auf
das nämliche Konkretum, sondern auch ein innerer, ein Bezug
dieser Urteilsinhalte aufeinander, war vorhanden und hat sich
durchgesetzt. Ohne Zweifel realisieren also jene Aussagen schon
die logische Ausgestaltung des Sonderbegriffes! Sie bauen bereits an
dem Inhalte des idiographischen Begriffes höherer Stufe, des Voll-
begriffes. Um diesen richtig zu verstehen und danach auch zu
benennen, fragen wir nach der logischen Leistung, die ihm
spezifisch ist.
Für den Sonderbegriff sahen wir diese Leistung darin, daß er uns
e in Einzelnes der Wirklichkeit auch im Denken unverwechselbar
m acht. Er singularisiert das Konkretum. So muß sich die
logische Leistung des Vollbegriffes in analoger Weise in dem
Charakter spiegeln, den er erst noch dem Singulären beizulegen