Full text : Wirtschaft als Leben

Umrisse  einer  Theorie  des  Individuellen,  I,  B.

479

„Sandstein“  usw.  anwenden  läßt,  in  der  Relation  auf  „Kalk“  aber  auf
die  „zerklüftete“  Beschaffenheit  führt.  Dem  idiographischen
Denken  ist  es  eigen,  daß  diese  Rolle  des  Verbindenden  nicht  eine
höhere  Art,  sondern  ein  höheres  Ganzes  spielt.  Wie  sich  unser
Berg  zugleich  als  „Ausläufer“  und  als  „Krönung“  charakterisieren
läßt,  wird  uns  sofort  aus  der  Struktur  des  Y-Gebirges
klar:  das  Plateau,  das  unser  Berg  „krönt“,  wird  dem  Gebirge  eben  mit
jenem  Höhenzug  A  eingegliedert,  der  in  unserem  Berge  „ausläuft“.
Umgekehrt  aber,  sobald  unser  Berg  in  jener  doppelten  Weise
charakterisiert  wird,  also  sein  Individualbegriff  schon  beide  Teilinhalte
umfaßt,  dann  leistet  dieser  um  so  besser  seinen  logischen  Dienst:
um  so  besser  läßt  er  uns  in  dem  Einzelnen,  kraft  dessen  Charakteristik,
schon  das  umschließende  Ganze  durchblicken!  Soviel
ist  also  sicher,  die  beiden  Teilinhalte  des  Individualbegriffes  stehen
nicht  bezuglos  nebeneinander;  sie  verschmelzen  unter  sich  wieder  zu
einem  Gesamtcharakter.  Diesen  Ausbau  des  Individualbegriffes,
i  m  W  ege  des  Einbezuges  neuer  Charakteristik,  die
mit  der  bereits  vorliegenden  verschmilzt,  will  ich  an
unserem  Beispiele  noch  für  einen  kleinen  weiteren  Schritt  beleuchten.
Unter  einer  „Wasserscheide“  stellen  wir  uns  eine  Linie  vor,  von
der  aus  nach  rechts  und  links  die  Wässer  anderen  Flüssen  oder
Meeren  Zuströmen.  Im  Grunde  handelt  es  sich  auch  hier  um  Systeme
der  Bodengestaltung,  um  die  Scheidung  von  zwei  Systemen  je  gleichsinniger ­
  Abdachung.  Hüben  und  drüben  fügen  sich  benachbarte
Flächen  verschiedenen  Gefälles  dadurch  in  eins,  daß  ihr  stetiger  Abfall ­
  an  derselben  Grundlinie  zur  Ruhe  gelangt:  z.  B.  an  einer  Meeresküste. ­
  Die  Feststellung  solcher  Systeme  nimmt  uns  in  der  einfachsten
Weise  die  Natur  ab,  eben  durch  die  Laufrichtung,  die  Mündungstendenz
der  ab  fließenden  Wässer.  Setzen  wir  nun  das  Verhältnis  unseres
Berges  zur  Laufrichtung  der  benachbarten  Gewässer  außer  Zweifel,  so
besagt  dies  noch  eine  Bestimmung  der  Konstellation.  Stellen  wir
aber  an  der  Hand  des  Funktionalbegriffes  „Wasserscheide“  fest,  daß
unser  Berg  „die  über  den  Höhenzug  A  hinlaufende  Wasserscheide  fortsetzt“, ­
  dann  ist  dies  nicht  mehr  bloße  Konstellationsbestimmung.  Es
Fegt  eine  Charakteristik,  das  heißt,  ein  Teilinhalt  des  Individualbegriffes ­
  vor;  denn  ausdrüklich  als  das  System  seiner
Hänge  fügt  sich  unser  Berg  zugleich  in  jene  beiden  Abdachungssysteme
ein >  die  „scheiden“  zu  helfen  seine  Funktion  ausmacht.  Weil  aber
diese  „Wasserscheide“  über  unseren  Berg  und  den  Höhenzug  A  veriäuft,
  beide  also  der  nämlichen  „hydrographischen“  Einheit  angehören,
so  vertieft  diese  Charakteristik  jene  frühere,  wonach  unser  Berg  ein
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.