Umrisse einer Theorie des Individuellen, II.
481
lichkeit hinein. Malen wir uns nun aus, daß wir die Wirklichkeit ge
danklich in Individuen aufgelöst hätten: wäre unserer Erkenntnis da
mit gedient? Eine Gefahr, daß die Welt dabei abermals in ein Chaos
verwandelt würde, besteht nur scheinbar. In Wahrheit ist hier von
Haus aus jener Zusammenhang, jene Einheit der Ergebnisse vor
handen, die sich dem Begriff der Wissenschaft verknüpft. Dem
Individuum, das eitel Zusammenhang in sich verarbeitet, ist alle
Isolierung fremd. Es hängen alle Ergebnisse des idiographischen
Denkens untereinander zusammen, dem Geiste dieses Denkens
gemäß, das im Einzelnen immer schon das Ganze zu umfangen sucht.
Dieses Zusammenhängen aller Individualbegriffe blieb bisher außer
Spiel; der methodische Gang der Untersuchung hat es so verlangt und
die Anlehnung an unser Beispiel ließ es zu. Dessen Geläufigkeit hat
uns insgeheim über alle Stellen hinweggeholfen, an denen die Indi
viduation noch mit einem anderen Vorgang sich bedingt: eben mit
dem Vorgänge, der jenen durchgängigen Zusammenhang der
Individualbegriffe zur Geltung bringt. Wir werden in der Tat
sehen, daß alle Individuation des Einzelnen wechselseitig an
die Explikation des umfassenden Ganzen gebunden ist.
Wesen und Sinn dieses Vorganges der Explikation soll nun wieder
an unserem Beispiele beleuchtet werden. Die Denkweise, von der
dieses Beispiel getragen wird, sein ganzer Vorstellungskreis ist uns so
geläufig, daß wir es nach Belieben erweitern können; schließlich bis
zu einem „Kosmos“ unserer geographischen Vorstellungen. Es legt
uns dann gleichsam alle restlichen Probleme als gelöst vor, so daß wir
den Gang der Lösung analytisch aus ihm herleiten können. Zunächst
sei auf diesem Wege gezeigt, in welch schlichter Art alle unsere geo
graphischen Vorstellungen ihre Einheit im räumlichen Allzusammen-
hange finden.
Wie erwähnt, läßt sich unser Berg zum Erdrund in eine eindeutige
Beziehung bringen, auch ohne daß man seine Position erwähnt. Wir
halten uns einfach vor, wie der Berg auf dem Plateau und in der Ver
engerung des Höhenzuges liegt; wie ferner diese beiden höheren
Einheiten unter die noch höhere des Y-Gebirges fallen, von dem
ein Gleiches gegenüber dem Gebirgssystem S gilt; wie endlich
dieses vom Kontin ente P umfangen wird, von dem aus der nächste
Schritt in dieser Reihe schon zum Erdrund selber führt. Über eine
solche Reihe hinweg, in der System auf System folgt,
hängt aber jedes beliebige Konkretum mit dem Erdrund zusammen,
üie Staffeln dieser Reihen werden sehr oft die gleichen sein. So teilt
z - B. unser Berg seine Reihe mit allen Höhen, die der Höhenzug A
V ' ^*°ttl-Ottlilienfeld, Wirtschaft als Leben. 3*