Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  I.

19

mag  es  sich  nun  innerhalb  jenes  Gebietes  betätigen,  oder  auch  bei
Erörterungen  über  dieses  Gebiet  am  Werke  sein 1 ).  Gerade  deshalb
aber  bleibt  der  Inhalt  dieser  Gedanken  für  sich  selber  außer  jeder  Erörterung. ­
  Im  Geiste  der  herkömmlichen  Anschauung  wird  eben  dauernd
mit  diesen  Gedanken,  niemals  über  sie  gedacht.  Es  sind  dies  aber
die  vier  Gedanken:
1.  Daß  man  mit  dem  Ausdrucke  „Wertlehre“  —  ebenso  aber  auch
mit  gleichsinnigen,  nur  weniger  gebräuchlichen  Ausdrücken  „Wertdoktrin“, ­
  „Werttheorie“  usw.  —  ein  selbständiges,  also  für  sich
bestimmtes  Gebiet  nationalökonomischer  Forschung  zur  Sprache
bringt.
2.  Daß  jenes  Gebiet,  als  solches,  durch  etwas  bestimmt  erscheint,
was  ihm  gegenüber  seinen  Gegenstand  vorstellt.
3-  Daß  sich  die  Bestimmtheit  jenes  Gebietes  derart  auf  seinen
Gegenstand  zurückführen  läßt,  daß  es  von  diesem  seine  Einheit  herleitet ­
  2 ).
4-  Daß  der  Gegenstand,  der  jenes  Gebiet  bestimmt,  indem  er  es
vereinheitlicht,  durch  das  Aussprechen  des  Wortes  „Wert“  namhaft
gemacht  wird.
Neues  kann  man  naturgemäß  mit  diesen  Gedanken  in  keiner  Weise
erfahren;  das  Überraschende  liegt  vielmehr  einzig  und  allein  in  ihrer
Aussprache.  Denn  als  Gedanken,  deren  Inhalt  in  vollbürtigem  Sinne
als  selbstverständlich  gilt  und  die  mit  dem  herkömmlichen  Denken
aufs  innigste  verwachsen  sind,  erfahren  sie  sonst  eben  gar  keine  eigentliche ­
  Aussprache.  Gerade  nur  in  dem  Namen  des  Gebietes,  auf  das
sich  diese  vier  Gedanken  gemeinsam  beziehen,  gelangen  sie  zu  einer
ebenso  flüchtigen  als  bündigen  Äußerung.  Dieser  Name  tritt,  wie
erwähnt,  in  mehreren  Spielarten  auf:  „Wertlehre“,  „Wertdoktrin“,
„Werttheorie“  usw.  Der  Wechsel  im  Ausdrucke  ist  dabei  ganz  ohne
‘)  In  unserer  Wissenschaft  wird  das  fragliche  Gebiet  in  einer  mannigfachen  Weise
erörtert.  Man  diskutiert  seine  Aufgaben,  man  erwägt  die  Stellung,  die  es  gegenüber
anderen  Gebieten  unserer  Wissenschaft  einnimmt,  man  erläutert  seine  geschichtliche  Entwicklung, ­
  man  klagt  schließlich  über  seinen  trübseligen  Zustand  und  verknüpft  noch  mit
ihm  jene  unverwüstlichen  Hoffnungen,  die  unter  dem  vielen  Seltsamen  hier  wohl  das
Seltsamste  sind.  Aber  bei  allen  diesen  Erörterungen  bleiben  die  Gedanken,  welche  das
Denken  in  der  „Wertlehre“  unter  sich  ruhen  läßt,  nicht  allein  außer  Spiel,  es  bauen  sich
vielmehr  alle  diese  Erörterungen  auf  genau  den  gleichen  Voraussetzungen  auf,  wie  jenes
Denken.  Dafür  wird  schon  die  unbefangene  Verwendung  des  Namens  jenes  Gebietes
(„Wertlehre“,  „Wertdoktrin“,  usw.)  zum  Kronzeugen,  in  einem  bald  aufzuhellenden  Sinne.
2)  Einheit  ist  hier  nicht  etwa  im  Sinne  der  üngeteiltheit  oder  gar  Unteilbarkeit
dieses  Gebietes  zu  verstehen,  sondern  im  Sinne  des,  über  Zeit  und  Personen  hinüber  ver
knüpften  Zusammenhanges  zwischen  allen  seinen  Bestandteilen.
            
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