Umrisse einer Theorie des Individuellen, II.
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fassende“ ist natürlich stets in der Relation auf den maßgebenden
Allzusammenhang gemeint, für unser Beispiel also im räumlichen Sinne.
Die Glieder, die aus den aktiv-individuellen Systemen heraus ent
wickelt werden, stellen sich somit als Einzelheiten dar, vergleicht
man sie den Gliedern, die aus der Explikation des Passiv-Individuellen
hervorgehen. Und zwar sind sie um so ausgesprochenere Einzelheiten,
je größer der Individual wert der charakteristischen Individuen ist; d. h.,
je vorzeitiger hier Systeme einer Explikation unterzogen werden. Eine
kurze Überlegung würde lehren, daß sich der Abstand sogar in geo
metrischer Proportion steigert. Jedenfalls läßt sich hieraus die bekannte
Eigentümlichkeit alles idiographischen Erkennens deuten, daß sein
Interesse an Einzelheiten in anschwellendem Maße proportional
dem Individualwert seiner Objekte ist, oder, was mittelbar das
selbe sagt, ihrer vergleichsweise hohen Bedeutsamkeit.
Die Explikation eines Systems führt nicht bloß jenen Gegensatz
zwischen dem Passiv- und dem Aktiv-Individuellen mit sich, sie läßt
auch noch zwei restliche Stufungen entnehmen. Prinzipiell gelten
sie für alle Systeme, wie sie aus einem übergeordneten heraus ent
wickelt werden; unwillkürlich aber hat man dabei das Passiv-Individuelle
der Teilsysteme im Auge. Diese können einander als das Expli
zierende oder als das Explizierte überbieten. Im ersteren Fall
tun sie es gemäß dem Grade, in welchem sie leicht und deutlich er
faßbare Glieder des übergeordneten Systems darstellen. Offenbar hängt
dies davon ab, ob sie mehr oder minder ausgesprochene Systeme, also
scharfe Zusammenfassungen, klare Einheiten sind. Danach bemißt
sich ihr System wert. Darin übertrumpft z. B. unser Berg, weil er
ein isolierter ist, jeden der Berge im Verbände des Höhenzuges A, die
eben nur in ideeller Auslösung aus dem letzteren von der klaren Ein
heit unseres Berges sind. Ebenso leicht könnte man „Italien“ und
„Deutschland“, oder „Böhmen“ und „Niederösterreich“, als deutliche
Gegensätze in bezug auf den Systemwert deuten.
Die andere Stufung aber hat den Sinn, daß sich die verschiedenen
Teilsysteme selber wieder in verschiedenem Grade der Leichtigkeit
explizieren lassen; so nämlich, daß sie mehr oder minder deutliche
Glieder aus sich heraus zu entwickeln erlauben. Danach bemißt
sich der Strukturwert eines Individuums. Er steht in einer klaren
Beziehung zu dem Systemwert der umschlossenen Individuen. An
Strukturwert ist unser Berg um so ärmer, je buchstäblicher er ein
„kegelförmiges“ System seiner Hänge darstellt. So ist Europa, und
nicht bloß der „horizontalen Konfiguration“ nach, von hohem Struktur
wert, verglichen etwa mit Australien. Übrigens macht es einen Unter