Full text: Wirtschaft als Leben

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„Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
schauungen. Denn soweit sich Weber gegen gewisse Aufstellungen in 
meinen „Grenzen der Geschichte“ wendet, betrifft dies eigentlich nur 
die schiefe Formulierung von Ansichten, die in der „Herrschaft des 
Wortes“ wohl unklarer, aber gesünder enthalten waren. Die Nieder 
schrift der „Grenzen“ stand eben unter dem frischen und überwältigenden 
Eindruck der Arbeiten Hugo Münsterbergs, die ich viel zu sehr 
bewundere, um nicht zuerst auch von ihren gelegentlichen Fehlern 
mitgerissen zu werden. Davon hat mich nun die Polemik Webers 
zurückgebracht. Von Webers eigenen Ausführungen über die „Zu 
rechnung“ und die Kategorie des „objektiv Möglichen“ kann erst mein 
nächster Aufsatz Nutzen ziehen, insbesondere für das Kapitel von der 
„noetischen Kausalität“, mit ihren Kategorien, den „Dominanten“ und 
„Determinanten“. 
Um die Verdienste zu würdigen, die sich Münsterberg für das Ver 
ständnis unserer Wissenschaften erworben hat, müßte man eigentlich 
das vorherige, nicht sonderlich glänzende Schicksal der Idee verfolgen, 
daß innerhalb unseres Denkens ein erkenntnistheore 
tischer Gegensatz klafft. Ihre Wurzeln reichen allerdings in 
die „klassische“ Philosophie hinein. Münsterberg selbst schließt sich 
eng an Fichte an; und eine lehrreiche Arbeit über diesen Philo 
sophen, der gewaltigen Erlebnissen die Denkgewalt über das Geschicht 
liche abgewonnen hat, E. Lasks „Fichtes Idealismus und die Ge 
schichte“, bekräftigt den „klassischen“ Ursprung jener Idee vielleicht 
mehr, als es dem Verfasser im Sinne lag. Unter den Theoretikern der 
Geschichte hat J. G. Droysen die richtigste Empfindung für jenen 
Zwiespalt in der Erkenntnis bekundet; besonders darin ist er ganz und 
gar nicht „veraltet“. Jenem Psychologismus dagegen, den der über 
ragende Einfluß Wundts deckt, verschleiert sich dieser Zwiespalt, 
trotz der tiefen Einsichten, die wir gerade Wundt verdanken. Ähn 
liches gilt für Simmel, der erst in der 2. Auflage seiner „Probleme der 
Geschichtsphilosophie“ auch diesem Probleme etwas mehr von dem 
Reichtum seiner geistvollen Apergus zufallen läßt. 
Max Weber hat mir selber „Psychologismus“ vorgeworfen, und an 
den betreffenden Stellen nicht mit Unrecht. Im allgemeinen weiß ich 
mich frei davon. Auch jene „Theorie vor den Tatsachen“, die ich in 
meiner programmatischen Schrift gefordert und an einem flüchtigen 
Beispiel vorgewiesen habe, ist zwar als eine „Theorie des Handelns“ 
gemeint, ausdrücklich aber als eine n i c h t psychologische. Wie nahe 
man übrigens vom psychologistischen Standpunkt aus an die Position 
herankommen kann, die ich in der „Herrschaft des Wortes“ vertreten 
habe, das erweist sich an merkwürdig vielen Stellen in einer jüngst
	        
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