Full text : Wirtschaft als Leben

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,Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

bildung  tiefer  zu  verstehen,  bedarf  es  vorerst  der  Klarheit  über  die
Sozialwissenschaft  selber.  Man  hat  aber  eine  Wissenschaft  erst  dann
wahrhaft  erkannt,  ihre  Eigenart  voll  erfaßt,  sobald  es  gelungen  ist,
diese  Eigenart  von  den  allgemeinsten  Verhältnissen
unseres  Denkens  her  zu  entwickeln.  Es  muß  sich  unter
den  verschiedenen  Möglichkeiten  des  Erkennens  jene  besondere
ergeben,  die  in  jedem  beliebigen  Teilinhalt  der  fraglichen  Wissenschaft
als  schon  verwirklicht  nachweisbar  ist.  So  handelt  es  sich  um  eine
erkenntnistheoretische  Konstruktion,  in  der  sich  diese  Wissenschaft
völlig  wiedererkennt,  daher  ihre  Eigenart  als  Wissenschaft  in  dieser
Konstruktion  zu  theoretischem  Ausdruck  kommt.  Eine  Konstruktion
dieser  Art  und  Bestimmung  soll  nun  für  den  Teil  der  Sozialwissenschaft
  versucht  werden.  Der  vorliegende  Aufsatz  führt  dies
nur  so  weit  durch,  daß  er  die  Eigenart  des  sozialwissenschaftlichen
Denkens  an  dem  „Stoffe“  des  letzteren  vorweist,  der  aber  zugleich
auch  der  „Stoff“  des  historischen  Denkens  ist.
Zum  Problem  wird  uns  die  Sozialwissenschaft  ausdrücklich  als
eine  Erfahrungswissenschaft.  Daher  muß  jene  Konstruktion  von  der
Frage  ausgehen,  in  welcher  verschiedenen  Weise  wir  die
Eine  Wirklichkeit  als  Erfahrung  in  unser  Denken  übernehmen. ­


I.  Die  mehrfache  Stellungnahme  unseres  Denkens  zur
Wirklichkeit.
Phänomenologisches  und  noetisches  Denken.
Die  Eine  und  ungeteilte  Wirklichkeit,  zu  der  unser
Denken  Stellung  nimmt,  im  Sinne  der  Erfahrung,  ist  die  „empirische“
Wirklichkeit.  Als  metaphysisches  Problem  lassen  wir  die  Wirklichkeit
völlig  dahingestellt.  Für  uns  kommt  sie  bloß  in  ihrer  Form  als
Inhalt  unseres  Bewußtseins  in  Betracht.  In  dieser  Form  macht
sie  unser  Erleben  aus.  Natürlich  geht  unsere  Vorstellung  von
der  Wirklichkeit,  das  also,  was  wir  „für  wirklich  halten“,  unendlich
weit  über  das  Erlebte  selber  hinaus.  Die  Bewegung  der  Erde  um  die
Sonne  „erlebt“  niemand.  Wir  halten  sie  trotzdem  für  wirklich,  weil
sie  unserem  Denken,  soweit  sich  dieses  auf  der  Grundlage  des  Erlebten
bewegt,  für  wahr  gilt.
Was  wir  erleben,  ist  für  sich  selber  grundsätzlich  unserem  begrifflichen ­
  Denken  entzogen,  weil  das  letztere  immer  schon  die  kategoriale
Formung  des  Erlebten  darstellt.  Bloß  mit  unserer  anschaulichen  Vor-
            
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