Full text: Wirtschaft als Leben

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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
Von diesen Aussagen redet nur A die Sprache des 
gewöhnlichen Lebens. Es hat ferner den Anschein, daß nur B 
und C die Wirklichkeit sozusagen unter sich aufteilen: B gibt den 
„sinnlichen“, C den „seelischen“ Vorgang wieder. Dagegen 
gewinnt man in dieser Hinsicht von A einen ganz verschiedenen Ein 
druck, je nachdem man es mit B oder mit C vergleicht. So scheint 
A irgendwie die unbestimmte Mitte zwischen B und C zu halten. 
Danach würde es der Aussage A an jener klaren Einseitigkeit fehlen, 
die aller wissenschaftlichen Betrachtung eigen ist. Weil aber A zu 
gleich die nächstliegende Aussage ist, jene gleichsam, die nach der 
„Regel des Lebens“ vollzogen wird, so könnte man A geradezu als 
den Typus einer unwissenschaftlichen Aussage ansehen wollen. 
Diesem Eindruck zum Trotz sei nun Schritt für Schritt nachgewiesen, 
daß die Aussage A durchaus selbständig und ebenbürtig neben 
B und C steht, als der Typus einer, von jener Denkweise 
getragenen Aussage, die zugleich die sozial wissen 
schaftliche ist. Dadurch soll uns die Vergleichung der drei Aus 
sagen auf einen tiefen Gegensatz im Denken und Erkennen führen, 
dem man bisher so wenig Rechnung trug, daß darüber das richtige 
Verständnis unserer Wissenschaft zu Schaden gekommen ist. 
A wäre als Aussage angeblich darum nicht selbständig, weil sich 
im Inhalt von A der Inhalt von B und C in einer eigentümlichen 
Weise mischt. Man hält dafür, daß A einen Vorgang wiedergibt, bei 
dem einem „seelischen Innen“ ein „sinnliches Außen“ entspricht; auf 
das letztere bezöge sich B, auf das erstere C. Diese beiden Aussagen, 
mit noch anderen ihres Typus zusammen, würden also den Inhalt der 
Aussage A restlos aufheben. Da nun B ein „physisches“, C ein 
„psychisches“ Geschehen zur Aussage bringt, so würde die Aussage A 
folgerichtig ein „psychophysisches“ Geschehen wiedergeben. Diese 
Auffassung ist so ziemlich die herrschende. Ihr unterliegt die axioma- 
tische Annahme, daß sich der Schnitt zwischen dem „Sinnlichen“ und 
dem „Seelischen“ durch die ganze Erfahrungswelt zieht, so daß also 
das „Sinnliche“ und „Seelische“ zusammengenommen bereits das 
Ganze des überhaupt Erfahrbaren ausmachen würden, ohne daß für 
etwas Drittes im Reiche der Erfahrung Platz wäre. 
In Wahrheit hat die Aussage A ebensogut ihren Inhalt ganz für 
sich, wie B und C den ihrigen. Wer A aussagt, hat durchaus kein 
mixtum compositum aus B und C im Sinne. Er will vielmehr zum 
Ausdruck bringen, daß jemand, der vorgreifend der „Leser“ genannt 
wird, durch den Blick von dem Kenntnis erhält, was im 
Wege vereinbarter Zeichen zur Mitteilung gelangt.
	        
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