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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
uns, dank unserer Vorstellung von der Welt, jederzeit leicht fiele,
uns auf die bloße „Bewegung“ des Steines zurückzubesinnen, so daß
wir dann in voller Bewußtheit bloß Sinnesdaten registrieren. Es
ist sicher, daß wir uns um diese Rückbesinnung nur höchst selten be
mühen und für gewöhnlich hübsch im „Animismus“ bleiben. Sagen
aber müssen wir in jedem Falle von dem Steine, daß „er“ rolle,
weil eben unsere ganze Ausdrucksweise, der ganze Satz
bau, die stete Trennung von „Subjekt“ und „Prädikat“
und „Objekt“, der primitiven und ganz unausrottbaren
Auffassung angepaßt bleibtl Erst wenn wir zum theoretisch
mathematischen Ausdruck übergehen, für das „rollen tun“ etwa
ein „Bewegungsmoment“ einsetzen, ist auch für den Ausdruck des
Festgestellten jene Form gefunden, die wahrhaft adäquat dem bloßen
Registrieren von Sinnesdaten ist. Dann erst ist alles abgestreift, was
an die psychische Genesis der Aussage erinnert.
Erkenntnispsychologisch kann man also die Aussagen nach dem
Typus A als die primären ansehen. Bei der denkenden Bewältigung
des Erlebten sind es diese Aussagen, die als intuitive Hypothesen
vorantreten; nicht aber führt erst ein Schluß zu ihnen. Der Umstand
jedoch, daß sie zuerst nur den Wert von Hypothesen haben, könnte
abermals gegen sie ausgebeutet werden. Mögen diese Aussagen auch
das erkenntnispsychologisch Primäre sein, im logischen Sinne, soweit
es nämlich auf ihre Wahrheit ankommt, wären sie, auf jenen Um
stand hin, doch nur das Sekundäre. Diesem Einwand liegt aber ein
Mißverständnis zugrunde. Die psychische Genesis der Aussage „Dieser
liest“, wie sie der Beobachter vollzieht, kann es im einzelnen Falle
wohl in sich schließen, daß wir die intuitive Hypothese, als welche
diese Aussage gedanklich aufkeimt, durch jenes Registrieren von
Sinnesdaten zu verifizieren suchen, das überhaupt erst vom Boden
dieser Hypothese aus möglich wird. Das will sagen, es „scheint“ uns
zunächst, daß „Dieser lese“, und nun blicken wir schärfer zu, wir
differenzieren also das Erlebnis nach Sinnesdaten, um daraufhin erst
die von Beginn an mögliche Aussage auch wirklich zu vo 11 ziehen.
Aber diese Verifikation, die rein erkenntnispsychologisch im
Werdegang der Aussage liegt, darf eben nicht mit der
logischen Verifikation der Aussage verwechselt werden 1 Es ist eine
Frage ganz für sich, wie sich die drei Aussagen als wahr erweisen
lassen, das heißt, auf welchem Wege wir ihren Inhalt als gültig
demonstrieren.
Wäre die Aussage A tatsächlich nur ein logisches Derivat aus der
Aussage B, so daß also vom „Gesehenen“ her ein regelrechter Analogie-