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„Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
die Subjektbekundung, dies hierauf als gültig demonstrieren, um nun
den Schluß zu ziehen: „Wenn ich selber lese, geht in meinem Be
wußtsein dies und jenes vor; dieser liest, also geht in seinem Bewußt
sein das gleiche vor“. Man sieht, was die Legende vom „Analogie
schluß“ der Aussage A nachredet, gilt in Wahrheit nur von
der Aussage CI Soferne man diese psychologische Aussage nicht
dem Leser selbst in den Mund legt, ist sie durch ein Schlußver
fahren aus der Aussage A abgeleitet. Während also die Aussage A
gegenüber der Aussage B das erkenntnispsychologisch Pri
märe ist, ist sie der Aussage C gegenüber sogar das logisch
Primäre.
Die Aussage A ist also den Aussagen B und C nicht bloß eben
bürtig, in gewisser Beziehung ist sie ihnen sogar überlegen. Um so
problematischer muß uns diese Aussage für ihren eigenen Teil
erscheinen. Sie bezieht sich unstreitig auf ein Erlebnis, demgegenüber
physiologische und psychologische Aussagen möglich werden. Der
Aussage A selber jedoch läßt sich unter den geschilderten Umständen
weder der eine, noch der andere Charakter zusprechen. Wie sie
ganz offenkundig keine physiologische Aussage, ist sie auf der anderen
Seite auch nur eine p s e u d o - psychologische. Dies bezeugt der Um
stand, daß die Aussage A in einem ganz anderen Verhältnis zur Aus
sage B steht, als es für die psychologische Aussage C gilt, und daß
zur letzteren selber die Aussage A in das Verhältnis des logisch Pri
mären tritt; dazu kommen noch die Verhältnisse der logischen Beweis
führung, die später näher erläutert werden. So drängt alles zu der
Vermutung, daß es mit der Aussage A überhaupt seine eigene Be
wandtnis habe. In der Tat tritt nun die Aussage A noch in einen
weiteren und diesmal gemeinsamen Gegensatz zu B und C. An
sich betrifft dieser Gegensatz wieder etwas Erkenntnispsychologisches.
Hier aber sondert sich A in so entschiedener Weise von B und C,
daß es geboten erscheint, von diesem weiteren Gegensatz gleich zur
erkenntnistheoretischen Deutung der ganzen Sachlage zu
schreiten. So schlägt das Folgende die Brücke zur definitiven Aus
sprache.
Die pseudo-psychologische Aussage — »Der Leser liest diese
Zeilen“ — hört sich nicht umsonst wie ein summarischer Bericht an,
mit dem verglichen es nur Details sind, was B und C aussagen. Ver
weilt man nachsinnlich über jener Aussage A, so gewinnt man den
Eindruck, daß sich eine unbegrenzte Fülle von Einzelheiten aus ihr
heraushören läßt! Unwillkürlich spielt man mit der Vorstellung der
mannigfachen Absichten, die der Leser mit dem Lesen verknüpft; mit