SSO
,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
alles Begriffliche in der Erscheinung wurzeln, dann geht dies offenbar
Hand in Hand damit, daß man den Gegensatz der beiden Denkweisen
völlig übersieht I Solange man eben in dem Inhalt einer Aussage vom
Typus A etwas Psychisches oder doch etwas Psycho-Physisches er
blickt, fehlt jeder Anlaß, neben den Erscheinungen noch anschauliche
Elemente einer anderen Natur anzuerkennen.
Diesen anschaulichen Elementen des noetischen Denkens, die
beispielsweise der Aussage A unterliegen, fällt im voraus ihr Name
zu. Der Ausdruck „Erscheinung“ rechtfertigt sich nur dort, wo die
anschaulichen Elemente auf die Mannigfaltigkeit Bezug nehmen, auf
das Sein der Wirklichkeit. Dann ist „Erscheinung“ als jene speziellere
Wortgrenze zu verstehen, die gegenüber aller metaphysischen
Spekulation über das Sein der Wirklichkeit gezogen wird; sei dies
immerzu auch schon im metaphysischen Sinne. Nun beziehen sich
aber die Elemente des noetischen Denkens auf den Zusammen
hang der Wirklichkeit, auf ihren Sinn. Es ist dies stets ein Sinn
für uns, die Erlebenden. Der Begriff von diesen anschaulichen Ele
menten ist daher ein Korrelat der Bewußtseinsform des Wirklichen,
des Erlebens. Den Erscheinungen kann man daher, als die an
schaulichen Elemente des noetischen Denkens, sinngemäß nur die
„Erlebungen“ an die Seite stellen.
Um diesem Namen den Begriff nachzutragen, gilt es die Aussage
zu analysieren, die als Beispiel noetischer Denkweise dient: „Der Leser
liest diese Zeilen“. Allein, weder Grammatik noch formale Logik hülfe
uns dabei. Grammatisch zerfällt die Aussage wohl in „Subjekt“,
„Prädikat“, „Objekt“, jedoch in jener nichtssagenden Weise, die
ebensogut für eine Aussage nach dem Typus B oder C gälte 1 Jenen
Ausdrucksformen des noetischen Denkens, die in unserer Sprache er
starrt sind, hat sich zwar auch die formale Logik angepaßt, dabei aber
gänzlich erfüllt mit dem Geiste des phänomenologischen Denkens;
sie hat sich zu einer Hausordnung der Naturwissenschaft degradiert.
Formallogisch wäre z. B. der Formung „Leser“, die ungefähr als „Mensch,
der liest“ aufzulösen wäre, das „lesen“ einfach prädiziert worden.
Der formalen Logik geht es völlig über den Horizont, daß die Aus
sage A in Wahrheit einen Zusammenhang wiedergibt, der keines
wegs etwas vorher Erfaßlichem nachträglich prädiziert wurde, sondern
in dem Sinne aus dem Erleben aufgegriffen erscheint, daß
er das begriffliche Denken von „Leser“ und „Zeilen“
überhaupt erst aus sich entläßtl In der Tat, als richtiges
Erfahrungsurteil in Betracht gezogen, hat die Aussage A unverkennbar
die Neigung, in der Form vollzogen zu werden: „Dieser liest dieses“-