Full text: Wirtschaft als Leben

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>Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
ausdehnen, die sich z. B. als „ziehen“, drücken“, „stoßen“ wiedergeben 
lassen. Immerhin, bei der heiklen Natur dieser Anschaulichkeiten wird 
es an diesem Punkte begreiflicher, wenn man sich über diese ver 
wickelten Dinge einfach hinweggesetzt und den Gegensatz der Denk 
weisen darauf reduziert hat, daß neben einer „Psychologie der 
Elemente“ erst noch eine „Psychologie der komplexen Lebensvor 
gänge“ anzuerkennen sei. Auf der letzteren würde dann alles Ver 
ständnis unserer Wissenschaften beruhen. In neuer Form kehrt hier die 
alte Geschichte von dem „luftigen Oberstock“ zurück, darin sich das 
Erkennen unserer Wissenschaft wohl sein läßt, unbekümmert, wie es 
um die „Fundamente“ bestellt wäre. Zur Arbeit an diesen „Funda 
menten“ fühlt sich natürlich die „Soziologie“ berufen, der nur mehr 
die Kleinigkeit ihrer eigenen Existenz fehlt, um dann unsere Disziplinen, 
die bloßen „Ramsch-Wissenschaften“, definitiv abzulösen. 
Dem Zweifel an der anschaulichen Einfachheit des „blicken“ 
unterliegt hier ein arges Mißverständnis. Angeblich verhalten sich Er 
scheinung und Erlebung so zueinander, wie die wahren Elemente und 
ganze „Komplexe“ dieser Elemente. Nun besteht aber eine direkte 
Beziehung zwischen Erscheinung und Erlebung überhaupt nicht; 
selbst nicht jene zwischen dem Zusammenhängenden und dem Zusammen 
hang. Vielmehr beziehen sich Erscheinung und Erlebung immer nur 
gemeinsam auf das Erleben. Dieses selber besteht in seiner 
unberührten Anschaulichkeit weder aus Erscheinungen, noch aus Er 
lebungen, noch endlich aus beiden zugleich. Denn erst in der 
Relation auf unser begriffliches Denken scheidet sich, von 
dem Mittleren des Erlebens aus, die Erscheinung von der Erlebung. 
Ein und dasselbe Erlebnis stellt sich dem einsetzenden Denken 
gegenüber entweder als ein Kompositum unzähliger Er 
scheinungen dar, dann ist phänomenologische Denkweise im 
Gange; oder als das Totum der Erlebung, mithin dann 
noetische Denkweise im Gang ist. Übersieht man nun das grund 
wesentliche Dazwischentreten des Erlebens selber, dann freilich 
kann die Tatsache einer Unzahl von Erscheinungen dort, einer Einzahl 
der Erlebung hier, zu dem Mißverständnis führen, als ob sich Er 
scheinung und Erlebung unmittelbar aufeinander bezögen, wie das 
Einfache zu einem „Komplex“ solcher Einfacher. In Wahrheit ist die 
Erlebung etwas in Mark und Kern von der Erscheinung Verschiedenes 1 
Beide sind einander ebenso inkommensurabel, wie es überhaupt fü f 
Sinn und Sein der Wirklichkeit gilt, von denen das Sein eben nur dem 
phänomenologischen, der Sinn eben nur dem noetischen Denken erfaß' 
bar bleibt.
	        
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