Full text: Wirtschaft als Leben

Der Stoff der Sozialwissenschaft, II. 
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nehmung an Vorteil mit sich bringen 1 Denn das starre, auf einen 
Punkt eingestellte Auge macht noch lange nicht den noetischen 
„Blick“ aus. Den noetischen „Blick“ aber durch die „Steigerung der 
Aufmerksamkeit auf Sehreize“ verifizieren zu wollen, stellt den 
Tatbestand und alle Möglichkeit auf den Kopf. Der „Blick“ muß 
also noetisch verifiziert werden, und dies geschieht natürlich in 
Einem Laufe mit der Verifikation der leidenden Erlebung „Kenntnis 
erhalten“. Jene Aussage „Dieser liest“ ist eben in ihrer Totalität 
verifizierbar. Die Natur der Erlebungen dagegen ist nicht im min 
desten von Einfluß auf die Verifikation. Nicht mit der letzteren 
also hängt der Gegensatz aktiv—passiv zusammen, überhaupt mit 
keinem logischen Verhältnis, sondern nur damit, daß es da und dort 
auf eine Subjekt-Bejahung ankommt. Der Gegensatz zwischen 
Passivität und Aktivität bedingt sich grundwesentlich mit dem Subjekt 
begriffe, und diese Bedingnis bleibt transzendent. Über eine ein 
fache Feststellung geht es bei diesen Dingen also nicht hinaus. 
Wohl mit Recht kennzeichnet Münsterberg das Subjekt als das 
»einzigartig Antithetische“. Nur scheint dieses „Antithetische“ nicht 
schon darin zu liegen, daß „jedes Wollen ein Nichtwollen ablehnt“; 
in diesem Ausmaße schließt auch jedes Sein ein Nichtsein, jedes 
»rot“ ein „nicht-rot“ aus. Also kaum in diesem kontradiktorischen, 
sondern wohl in jenem konträren Gegensatz wurzelt das „einzig 
artig Antithetische“ des Subjekts, daß einem Wollen stets ein 
Erleiden gegenübersteht: dem „schieben“ ein „geschoben werden“, 
dem „zustimmen“ ein „Beifall gewinnen“, dem „Freudemachen“ ein 
»Erfreutwerden“ usw. Nun „zerschmettert“ zwar der fallende Fels 
block einen Baum und „wird zerschmettert“ durch den Auffall. 
Allein hier spiegelt nur der noetisch gewendete Ausdruck jenen 
Gegensatz vor; der Sache nach ist es ein und dasselbe, nicht 
weiter in sich gegensätzliche Geschehen, was einerseits zur 
Formveränderung des Baumes, andererseits zur Formveränderung des 
Felsblockes führt. Hier fehlt es für unsere Auffassung einfach an 
jener Relation zum Subjekt, die allein dafür haftbar ist, wenn 
sich die anschaulichen Elemente des noetischen Denkens spalten, 
ln tätige und leidende Erlebungen. — 
Es liegt kein Anlaß vor, den Erlebungen den „zeitlichen Cha 
rakter abzusprechen; wie könnten sie sonst etwas Anschauliches seinl 
»Räumlich“ dagegen sind die Erlebungen genau so wenig wie die 
seelischen Erscheinungen. Auch darin liegt eine Versuchung, die 
Erlebungen mit den seelischen Erscheinungen in einen Topf zu 
werfen; nur greift die landläufige Ansicht dem vor und bezieht die
	        
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