Full text: Wirtschaft als Leben

570 
,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“. 
Formungen, lassen sich also alle Gegenstände des sozial- und 
geschichtswissenschaftlichen Denkens zurückführen. Es sind diese 
Formungen aber meist Kompositionen aus Subjekten, Objekten, 
Akten und Erleidungen; von der wechselndsten und zum Teil von 
höchst verwickelter Art. Auch für die Art der Komposition, 
die von jenen erstmöglichen Formungen hinführt zu den, in der Sozial- 
und Geschichtswissenschaft verwendeten Begriffen, sind Typen zu er 
warten; auch das ergäbe dann allgemeinste Schemata der Be 
griffsbildung, denen man „formende“, quasi-kategoriale Bedeutung 
zusprechen darf. Wenn „Substanz“, „Relation“ usw. als Kategorien 
der ersten Stufe gelten und die noetischen Kategorien dann 
schon auf der zweiten Stufe stehen, so kämen hier die Kategorien 
der dritten Stufe in Frage. Darunter vor allem jene Kategorien 
des multipolaren Geschehens, die uns z. B. den Begriff des 
„Lesers“ als nach der Kategorie des „Subjektverhältnisses“ geformt er 
läutern, das „lesen“ selber als spezifisch gemeinten „Vorgang“. Neben 
dem Begriffe „Leser“ wären dann z. B. die Begriffe „Freund“, „Genosse“, 
„König“, „Käufer“ usw. der gleichen Kategorie unterstellt. 
Zu diesen Kategorien des multipolaren Geschehens gehört auch 
das Schema für jene umstrittensten Formungen des noetischen 
Denkens, jene „sozialen Kollektivbegriffe“ gleich „Staat“, 
„Familie“, „Unternehmung“, über deren Natur „Romanisten“ und 
„Germanisten“, „Realisten“ und „Nominalisten“ streiten, die für ihren 
eigenen Teil gedeutet wurden bald als „höhere Gegenstände“, bald als 
„Zeitdinge“, bald gar als „Potenzen“. Uns sind diese verwickelten 
Kategorien schon deshalb interessant, weil sich die Schlüsselworte 
unserer Disziplinen — „Geschichte“, „Gesellschaft“, „Wirtschaft“ — 
auf sie beziehen. Auch diese Formungen gehören, ihrer Theorie nach, 
schon in den nächsten Zusammenhang; mit allem zugleich, was über 
das multipolare Geschehen zu sagen ist, über diesen engeren Ge 
halt der „geschichtlich-gesellschaftlichen“ Wirklichkeit. Hier sehen wir 
also der sachlichen Entwicklung der Begriffe entgegen, für 
welche zunächst nur rettende Worte einspringen, spricht man vom 
„Geschichtlichen“ oder vom „Sozialen“.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.