Full text : Wirtschaft als Leben

Das  Problem  und  die  Umrisse  seiner  Lösung.

Über  das  Verhältnis  zwischen  Geschichts-  und  Sozialwissenschaft
handelt  die  folgende  Untersuchung  nicht  in  jener  empirischen  Art,  daß
sie  die  „Gebiete“,  oder  die  „Gegenstände“,  oder  die  „Aufgaben“  der
beiden  Disziplinen  vergleicht.  Sie  zieht  auch  nicht  die  Grenze  zwischen
den  Problemen,  die  einerseits  die  Geschichte,  andererseits  die  Sozialwissenschaft ­
  zu  lösen  hätte.  Bei  solchem  Vorgehen  käme  für  das  Verständnis ­
  der  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung  wenig  heraus,  und
nur  in  dieser  fachwissenschaftlichen  Absicht,  die  Bildung  unserer  Begriffe
richtig  zu  verstehen,  ist  das  Problem  gestellt;  aber  gerade  deshalb  muß
es  vom  Boden  der  Erkenntnistheorie  aus  gelöst  werden.  Es  gilt,
daß  man  die  beiden  Disziplinen  erkenntnistheoretisch  untersucht  und
nachforscht,  wie  sie  aus  spezifischen  Denkvorgängen  sich  aufbauen. ­
  Für  beide  Disziplinen  zugleich  muß  dies  geschehen,  weil  man
jene  Denkvorgänge  nur  dann  scharf  erfaßt,  wenn  man  noch  den
Gegensatz  herauszufinden  sucht,  der  zwischen  diesen  Disziplinen
trotz  ihrer  Verwandtschaft  besteht.  Geht  man  so  vor,  dann  enthüllt
sich  in  der  Tat  die  ganze  Eigenart  der  Begriffsbildung  in  diesen  Disziplinen.
Auf  diesen  Erfolg  war  aber  von  Beginn  an  die  ganze  Untersuchung
angelegt.  Daher  genügt  ein  Rückblick  auf  die  Ergebnisse
bisher,  um  das  Problem  gleich  im  rechten  Lichte  vorzuführen.
Diese  Ergebnisse  waren  ganz  allgemeiner  Natur;  einerseits  die  Darlegung, ­
  wie  die  Bildung  der  Begriffe  vom  Ziele  unserer  Erkenntnis
abhängt,  andererseits,  wie  sie  vom  Stoffe  unserer  Erkenntnis  abhängt.
Zweifellos  wäre  es  eine  Aufgabe  der  allgemeinen  Erkenntnislehre,
diese  Untersuchungen  anzustellen.  Will  sich  aber  die  Methodologie
einer  Fachwissenschaft  über  derlei  Fragen  instruieren  und  sie  findet
statt  der  ausgereiften  Ergebnisse,  deren  sie  bedürfte,  um  auf  ihnen
weiterzubauen,  eigentlich  nur  Versäumnisse  vor,  dann  bleibt  eben
nichts  anderes  übrig,  sie  muß  auf  eigene  Gefahr  in  die
Tiefen  jener  Fragen  dringen,  bis  sie  wieder  festen
Boden  unter  sich  fühlt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.