Full text: Wirtschaft als Leben

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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
spräche der naiven Anschauung, die sich auch im Sprachgebrauch 
durchsetzt. Für die Methodologie ist die Tatsache immer schon auf 
gefaßte Wirklichkeit: das Anschauliche ist dann notwendig schon in 
begriffliches Denken umgesetzt. Was nämlich den Erfahrungswissen 
schaften als Tatsache unterlegt wird, entspricht dem Inhalte einer 
evidenten Aussage über Konkretes. Da nun die Tatsache von not 
wendig begrifflichem Charakter ist, macht sich in ihr die spezifische 
Denkweise geltend; gibt es zwei Denkweisen, dann auch zweierlei 
Tatsachen. Kraft ihrer spezifischen Natur treten also phänomeno 
logische und noetische Tatsache, „Datum“ und „Faktum“ aus 
einander. Geschichte und Sozialwissenschaft sind daher vor allem 
darin eins, daß sie beide von noetisch gearteten Tatsachen, von 
„Fakten“ ausgehen. So wird sich die Untersuchung an erster Stelle 
mit der Natur der „Fakten“ und mit der Art ihrer Feststellung be 
schäftigen. Sie streift hierbei auch das Problem der „Deutung“: 
Das Feststellen der „Fakten“ darf wohl seinem Erfolge nach als 
„Deutung“ bezeichnet werden; denn hier wird etwas in Begriffe um 
gesetzt, das sich bildlich als der „Sinn“ der Wirklichkeit bezeichnen 
läßt. In der Sache jedoch hat dies selbst dann nichts mit einer 
„Deutung“ zu tun, wenn die Feststellung im Angesichte der anschau 
lichen Wirklichkeit, aus dem Erlebnis heraus, erfolgt 1 Das ganze 
Verständnis der noetischen Denkweise hängt an dieser 
Einsicht. Noch weniger aber hat das Feststellen der „Fakten“ den 
Sinn, daß man den physischen Daten psychische Daten interpoliert; 
dieses grobe Mißverständnis macht die „psychologistische“ Verkennung 
der Noetik aus. 
Zweitens prägt sich die spezifische Denkweise auch in der Art der 
kausalen Verknüpfung von Tatsachen aus. Um die meta 
physischen Anschauungen über Kausalität braucht sich zum mindesten 
die fachwissenschaftliche Methodenlehre nicht zu kümmern. Ihr gilt 
die Kausalität einfach als ein Zusammenhang zwischen 
Tatsachen, der uns so erfaßlich wird, daß sich die be 
treffenden Tatsachen gemäß dem Satz vom Grunde auf 
einander beziehen lassen. Allerdings schwebt uns dabei sofort 
das Verhältnis zwischen „Ursache“ und „Wirkung“, sowie das „Natur 
gesetz“ vor. Das sind nämlich die Formen, die der Kausalnexus auf 
weist, sobald wir die phänomenologische Denkweise üben; jene 
Formen also, in denen die phänomenologisch gearteten Tatsachen, die 
«Daten“ kausal verknüpft werden. Nun fällt aber die kausale Ver 
knüpfung notwendig ganz anders aus, sobald noetisch geartete Tat 
sachen, „Fakten“ in Frage kommen. Im Gegensatz zu den „Daten“'
	        
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