Full text : Wirtschaft als Leben

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„Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

gewicht  drängt;  hier  gilt  vielmehr  der  Nachweis,  wie  der  Zusammenhang ­
  des  Geschehens  des  letzteren  Wechsel  und  so  stets  wieder  ein
Neues  an  Geschehen  bedingt.
Das  Verhältnis  zwischen  Geschichte  und  Sozialwissenschaft ­
  wird  daher  etwa  in  der  folgenden  Weise  zu  bestimmen  sein.
Beiden  ist  der  nämliche  „empirische  Bestand“  eigen,  die  „Welt  des
Handelns“.  Zwar  sieht  die  eine  Disziplin  sofort  die  „Geschichte“,  die
andere  wieder  die  „Gesellschaft“  vor  sich.  Was  aber  hiermit  jede  der
beiden  Disziplinen  als  ihren  besonderen  „Gegenstand“  von  sich  trennt,
hängt  in  Wahrheit  tief  innerlich  mit  ihr  zusammen.  Als  „Geschichte“ ­
  und  „Gesellschaft“  objektiviert  sich  nur  die
spezifische  Art  der  Betrachtung,  die  jede  dieser  Disziplinen ­
  gegenüber  der  „Welt  des  Handelns“  pflegt.
Die  Sozialwissenschaft  wählt  den  Gesichtspunkt  der  Wiederkehr  im
Geschehen,  die  Geschichte  jenen  des  Wechsels  im  Geschehen.  Folgerichtig ­
  ist  dann  auch  die  Art  verschieden,  wie  beide  Disziplinen  das
Geschehen  auf  seine  Zusammenhänge  erklärend  zurückführen.  Den
Sinn  des  Zusammenhangs  im  Geschehen,  seine  letzte  und  allgemeinste
Konsequenz,  erblickt  die  Sozialwissenschaft  in  der  Equilibration,
die  Geschichte  in  der  Novation  des  Geschehens.
Es  muß  aber  auf  ihr  ganzes  Vorgehen  von  Rückwirkung  sein,
wenn  die  beiden  Disziplinen  in  so  verschiedener  Weise  zur  „Welt  des
Handelns“  Stellung  nehmen.  Erkenntnistheoretisch  betrachtet,  gehen
Sozialwissenschaft  wie  Geschichte  der  noetischen  Kausalität  nach.  Weil
aber  jede  das  kausale  Verknüpfen  der  Tatsachen  wieder  anders  übt,
qualifiziert  sich  die  Art  der  Verknüpfung;  methodologisch  genommen, ­
  sondert  sich  daher  die  „soziale“  von  der  „historischen“
Kausation  der  Tatsachen.  Dies  wirkt  nun  weiter  auf  die  Tatsachen
zurück.  Die  noetische  Natur  der  Tatsachen  bleibt  hüben  und  drüben
die  gleiche,  aber  es  bedingt  mindestens  den  Umkreis  der  Tatsachen,
die  man  im  Dienste  dieser  Disziplinen  festzustellen  sucht,  sobald  die
Absicht  wechselt,  von  der  ihre  kausale  Verknüpfung  getragen  wird.
So  bahnt  sich  auch  eine  Scheidung  zwischen  „sozialen“  und
„historischen“  Tatsachen  an.  Dazu  trägt  noch  mittelbar  der  Umstand ­
  bei,  daß  jede  Tatsache  für  ihre  Feststellung  der  Begriffe  bedarf. ­
  Denn  auch  in  die  Welt  der  Begriffe  hinein  zieht  sich  jener
Zwiespalt  in  der  Kausation  der  Tatsachen.  Einmal  schon  im  Sinne
des  verschiedenen  Gebrauchs,  den  die  beiden  Disziplinen  von  den
gleichen  noetischen  Begriffsformen  machen,  weil  jede  eben  gewisse
Formen  bevorzugt,  andere  vernachlässigt,  will  sie  ihre  Eigenart  wahren;
sodann  auch,  weil  sich  in  den  Dienst  der  „sozialen“  und  der  „histo-
            
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