Full text : Wirtschaft als Leben

Nationalökonomische  Erläuterung,  VII.

Ö2I

So  trachtet  die  allwirtschaftliche  Auffassung  nicht  bloß  danach,
unsere  fachliche  Theorie  leistungsfähiger  zu  machen.  Das  theoretische
Denken  in  unserer  Wissenschaft  soll  sich  auch  von  dem  Makel
reinigen,  als  erfahrungswissenschaftliches  Denken  ein  dogmatisch  gebundenes ­
  zu  sein.  Den  Finger  darauf  habe  ich  gleich  in  meiner
Erstlingsschrift  gelegt;  in  ihrem  Titel  nannte  ich  den  „Wertgedanken“
ein  „verhülltes  Dogma“  der  Nationalökonomie.  Denn  was  ist  dieser
„Wertgedanke“?  Die  aus  Zwang  der  „klassischen“  Auffassung  festgehaltene ­
  Ansicht,  hinter  „Wert“  ein  spezifisch  nationalökonomisches
Problem  zu  ersehen.  Für  seinen  eigenen  Teil  wäre  das  Wort  „Wert“
in  unserem  Bereiche  recht  harmlos,  als  der  sprachnotwendige  Name
für  einen  schlichten  Tatbestand.  Es  fällt  nämlich,  und  am  klarsten
aus  dem  Tauschverkehr  heraus,  jeder  Güterart  für  sich  wieder  eine
Art  „wirtschaftlicher  Dimension“  zu,  schlagwörtlich  ausgedrückt,  im
Sinne  einer  „Allpreisfolge“.  Danach  wird  jede  Gütermenge  für  sich
wieder  veranschlagbar,  sei  es  als  Aufwand  oder  schlechthin  als  Teil
der  Verfügungsmacht.  Wie  nun  diese  größenhafte  Veranschlagung
im  Einzelfall  erfolgen  soll  und  kann,  je  nach  ihrem  Zweck  und  je
nach  der  Möglichkeit,  den  betreffenden  Teil  der  Verfügungsmacht
irgendwie  zu  jenen  Preisgrößen  oder  technischen  Mengenverhältnissen
in  Beziehung  zu  setzen,  die  letzten  Endes  für  die  Veranschlagung
selber  von  entscheidendem  Belang  sind,  das  macht  die  sogenannten
„Werttheorien  der  Privatwirtschaftslehre“  aus,  die  Lehre  vom  „Einstands-“, ­
  „Bilanz-“,  „Veräußerungs-  usw.  Wert“.  Bei  unseren  nationalökonomischen ­
  „Werttheorien“  im  eigentlichen  Sinne,  da  handelt  es
sich  um  etwas  ganz  anderes:  um  die  Suche  nach  der  Hypothese
eines  „Allpreisgrundes“  I  Etwas  wird  da  unterstellt,  was  die  Preise
nicht  wieder  nur  auf  Preise  zurückführen  soll,  die  Erklärung  vielmehr
nach  einem  Ruhepunkt  hintreibt,  als  das  letzte  Warum  der  Preise.
Das  wäre  also  irgend  etwas,  selber  größenhaft  geartet,  dimensional,
von  dem  aus  aber  das  ganze  Größenspiel  der  Wirtschaft  endgültig
beherrscht  würde,  so  daß  man  dieses  gleichsam  auf  einen  Posten  gebracht ­
  hätte.  Was  dieser  Allpreisgrund  nun  seiner  Sache  nach  sei,,
und  wie  davon  der  allbeherrschende  Einfluß  auf  alle  Größen  des
Wirtschaftslebens  ausgeht,  das  hat  jeder  „Werttheoretiker  für  sich
wieder  aus  seinen  Fingern  gesogen,  festgenagelt  aber  auf  diesen
so  verführerischen  Wahn  einer  summarischen  Allerklärung  des  wirtschaftlichen ­
  Größenspiels  hat  sie  allesamt  die  „erwerbswirtschaftliche“ ­
  Ausgerichtetheit  ihrer  Grundauffassung.  Man  sucht  ja  nach
dem  „Wert  als  Allpreisgrund“  zwar  immer  jenseits  des  „Wertes  als
Allpreisfolge“,  jenseits  des  „Tauschwertes“,  um  im  Rotwelsch  der
            
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