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.Freiheit vom Worte“,
Meiner Schrift über die „Herrschaft des Wortes“ hat es das beste
an Unterbau und noch mehr an Abklärung entzogen, daß mir die-
kurz vorher erschienene „Kritik der Sprache“ Fritz Mauthners
sträflicherweise unbekannt geblieben war. Allein, so enge mein Be
obachtungsfeld damals gewesen ist, auf dem ich seit langem derlei
„Sprachkritik“ trieb, im Dienste der fachlichen Theorie und bald auch
Erkenntniskritik, eine bessere Wahl hätte ich selbst mit Vorbedacht
nicht treffen können. Denn gerade da, auf dem Gebiete der national
ökonomischen Theorie, sind die Worte dem Denken schon in einer
ganz absonderlichen Weise über den Kopf gewachsen. Da läßt sich
allerdings für die rechte Art, mit Worten umzugehen, manches lernen.
Offenbar handelt es sich um die sogenannten „Grundbegriffe“ der
Nationalökonomie: „Wirtschaft“, „Gut“, „Wert“, „Preis“, „Kapital“,
„Zins“, „Rente“ usw. Jene „eingeborenen Fachausdrücke“ unserer
Wissenschaft also, von denen das herkömmlich geartete theoretische
Denken immer wieder auszugehen sucht, gleich wie von ewigen Fix
punkten. Meine Auffassung geht nun dahin, daß ich in diesen
„Grundbegriffen“ überhaupt nur Worte sehe; allerdings sind es die
über das naive theoretische Denken „herrschenden“ Worte. Keiner
dieser Ausdrücke gilt mir einfach als ein vieldeutiges, ein in höchst
wandelbarem Sinn gebrauchtes Wort. Eigenfachliche Erfahrungen
haben mich vielmehr gewitzigt, einem so auffallend problematischen
Worte ganz buchstäblich seinen eigenen Gehalt an Problemen nach
zurechnen. Es gilt da, aus dem Wort jene Probleme herauszuhören,
für die, unausgesprochen und daher unentwickelt, wie sie inmitten
der naiven Theorie geblieben sind, vorerst das Wort rettend ein
springt. In der Tat, nicht nur für fehlende Begriffe gibt es dies, auch
für fehlende Problemei Es spielt das Wort auch in diesem weiter
gehenden Sinne den Helfer unseres theoretischen Denkens; dem be
kommt aber diese Hilfe schlecht genug.
Heraushören übrigens heißt nicht abhorchen; da wäre man auf
dem Holzweg. Es geschieht zwar sonst ganz üblicherweise, daß man
den Worten, besonders auch den „Grundbegriffen“, ihren geistigen
Gehalt durch defxnitorischen Druck zu „entquetschen“ trachtet; ge
gebenenfalls in einer veredelten Form: man deutet das Wort nicht
schlechthin wörtlich aus, etwa also „Sozio“-logie, sucht vielmehr den
durchlaufenden Sinn bei den verschiedenen Verwendungen des
Wortes hübsch in der Runde herum „abzuhorchen“. In unserer
Theorie wird diese Umfrage beim lebendigen, sprachverwendeten
Worte heute noch als ein probates Mittel anempfohlen, allen Ernstes,
um selbst auf die grundlegendsten Dinge zu kommen. Nun, dazu ist