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.Freiheit vom Worte 1
„Wirtschaftstheorie“ auch in ihrer Haltung durchaus unsoziologisch
geartet ist. Dagegen muß die neue Haltung der nationalökonomischen
Theorie, wie sie aus der allwirtschaftlichen Auffassung hervorgehen
soll, grundwesentlich eine soziologische seinl Läutert sich
also die Theorie im soziologischen Geiste, so bedeutet dies keineswegs
ein fragwürdiges Abdrängen nach einem anderen Fachgebiet.
Die nationalökonomische Theorie bleibt, was sie ist. Gerade darum
aber, um es richtig zu sein, was sie zu sein hat, muß sie sich mit
soziologischem Geiste erfüllen. Dahinaus führt im ganzen der Weg.
Da er jedoch von jener Aufstellung Max Webers ausläuft, von
dessen Scheidung zwischen „Wirtschaftstheorie“ und „soziologischer
Theorie der Wirtschaft“, ist eine Auseinandersetzung mit der Soziologie
unvermeidlich.
Es fällt mir nicht ganz leicht, darüber zu sprechen. Selber habe
ich oft genug an Dingen gearbeitet, die in irgendeinem Sinne auf
Soziologie hinausliefen; ich tue es im Grunde auch hier und denke
es in Zukunft erst recht zu tun. Mein skeptisches Verhältnis aber
zur Soziologie habe ich nie verleugnet. Es ist ja auch eine üble
Sache mit Worten, gleich „Soziologie“, die gleichsam schon jeder
Zweite in einem dritten Sinn versteht. Meint nun ein in seinen
geistigen Eingeweiden so vergrimmtes Wort gar Wissenschaft, dann
mag leicht nur jener „Wechselbalg“, jener „Hexensabbat für alle
Spiel- und Abarten menschlicher Erkenntnis“ dahinterstecken, von
dem ich einstens so unhöflich sprach. Mindestens war dies pedantisch.
Zu meiner Rechtfertigung wiederhole ich, daß man in Sachen der
Erkenntnis den magersten Prozeß immer noch höher stellen muß als
den fettesten Vergleich, weil dieser auf Kosten der Echtheit der Erkenntnis
geht. Aber selbst mit solcher Pedanterie vereint es sich
durchaus, wenn ich Max Webers hinterlassene Leistung auch
meinerseits nicht besser zu benennen wüßte, denn als Soziologie!
Soviel Mißbrauch mit diesem Worte getrieben wird, hier scheint es
mir mit Fug und Recht verwendet. Diese Leistungen gehen klar in
einer Linie damit, wie auch der Skeptiker — ohne sich etwas zu vergeben,
wofür der Beweis noch nachgetragen wird — von Soziologie
sprechen kann: überall dort nämlich, wo sich die innere Einheit aller
der Wissenschaften bewährt, die einträchtig vom menschlichen Zusammenleben
handeln! Zu ihnen gehört von altersher die Geschichte,
die Statistik, gehören die Wissenschaften von Wirtschaft, Staat und
Volk, in ihrer Art auch die Wissenschaften von Religion, Recht»
Kunst, Wissenschaft, Schrifttum, bedingt auch die von der Sprache —•
alles nur kunterbunt und lückenhaft aufgezählt.