Full text : Wirtschaft als Leben

630

.Freiheit  vom  Worte“,

Meiner  Schrift  über  die  „Herrschaft  des  Wortes“  hat  es  das  beste
an  Unterbau  und  noch  mehr  an  Abklärung  entzogen,  daß  mir  diekurz
  vorher  erschienene  „Kritik  der  Sprache“  Fritz  Mauthners
sträflicherweise  unbekannt  geblieben  war.  Allein,  so  enge  mein  Beobachtungsfeld ­
  damals  gewesen  ist,  auf  dem  ich  seit  langem  derlei
„Sprachkritik“  trieb,  im  Dienste  der  fachlichen  Theorie  und  bald  auch
Erkenntniskritik,  eine  bessere  Wahl  hätte  ich  selbst  mit  Vorbedacht
nicht  treffen  können.  Denn  gerade  da,  auf  dem  Gebiete  der  nationalökonomischen ­
  Theorie,  sind  die  Worte  dem  Denken  schon  in  einer
ganz  absonderlichen  Weise  über  den  Kopf  gewachsen.  Da  läßt  sich
allerdings  für  die  rechte  Art,  mit  Worten  umzugehen,  manches  lernen.
Offenbar  handelt  es  sich  um  die  sogenannten  „Grundbegriffe“  der
Nationalökonomie:  „Wirtschaft“,  „Gut“,  „Wert“,  „Preis“,  „Kapital“,
„Zins“,  „Rente“  usw.  Jene  „eingeborenen  Fachausdrücke“  unserer
Wissenschaft  also,  von  denen  das  herkömmlich  geartete  theoretische
Denken  immer  wieder  auszugehen  sucht,  gleich  wie  von  ewigen  Fixpunkten. ­
  Meine  Auffassung  geht  nun  dahin,  daß  ich  in  diesen
„Grundbegriffen“  überhaupt  nur  Worte  sehe;  allerdings  sind  es  die
über  das  naive  theoretische  Denken  „herrschenden“  Worte.  Keiner
dieser  Ausdrücke  gilt  mir  einfach  als  ein  vieldeutiges,  ein  in  höchst
wandelbarem  Sinn  gebrauchtes  Wort.  Eigenfachliche  Erfahrungen
haben  mich  vielmehr  gewitzigt,  einem  so  auffallend  problematischen
Worte  ganz  buchstäblich  seinen  eigenen  Gehalt  an  Problemen  nachzurechnen. ­
  Es  gilt  da,  aus  dem  Wort  jene  Probleme  herauszuhören,
für  die,  unausgesprochen  und  daher  unentwickelt,  wie  sie  inmitten
der  naiven  Theorie  geblieben  sind,  vorerst  das  Wort  rettend  einspringt. ­
  In  der  Tat,  nicht  nur  für  fehlende  Begriffe  gibt  es  dies,  auch
für  fehlende  Problemei  Es  spielt  das  Wort  auch  in  diesem  weitergehenden ­
  Sinne  den  Helfer  unseres  theoretischen  Denkens;  dem  bekommt ­
  aber  diese  Hilfe  schlecht  genug.
Heraushören  übrigens  heißt  nicht  abhorchen;  da  wäre  man  auf
dem  Holzweg.  Es  geschieht  zwar  sonst  ganz  üblicherweise,  daß  man
den  Worten,  besonders  auch  den  „Grundbegriffen“,  ihren  geistigen
Gehalt  durch  defxnitorischen  Druck  zu  „entquetschen“  trachtet;  gegebenenfalls ­
  in  einer  veredelten  Form:  man  deutet  das  Wort  nicht
schlechthin  wörtlich  aus,  etwa  also  „Sozio“-logie,  sucht  vielmehr  den
durchlaufenden  Sinn  bei  den  verschiedenen  Verwendungen  des
Wortes  hübsch  in  der  Runde  herum  „abzuhorchen“.  In  unserer
Theorie  wird  diese  Umfrage  beim  lebendigen,  sprachverwendeten
Worte  heute  noch  als  ein  probates  Mittel  anempfohlen,  allen  Ernstes,
um  selbst  auf  die  grundlegendsten  Dinge  zu  kommen.  Nun,  dazu  ist
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.