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.Freiheit vom Worte“,
Wissenschaftslehre Comtes — fortzeugend in ihm aus. Des Namens
„Soziologie“ bemächtigt sich stets wieder allerlei interessanter Ver
such, die Tatbestände menschlichen Zusammenlebens naturwissen
schaftlich schief zu treten. Dann wird z. B. der Staat selber wissen
schaftlich so zu behandeln versucht, als ob er ein „Reizauslösungs
system“ wäre. Diese Aftersoziologie wird unausrottbar die Erlustigung
der Geister bleiben, die von der Wahrheit der Einen Wirklichkeit stets
nur zur Simpelei der einen Wissenschaft weiterzudenken vermögen;
als ob es nicht von der einen Wirklichkeit ein spezifisches Zweierlei
an Erfahrung gäbe 1 Ist doch daraufhin die „Universalmethode“ gleich
wertig der Zumutung, daß alle Tiere, auch die Kiementiere, in der
Luft oder wieder alle, auch die Lungentiere, unterWasser leben sollten;
oder daß man mit dem Meißel auch malen, mit dem Pinsel auch bild-
hauern sollte. Was immer bei solchen „Verstauchungen“ des Erkennens
herauskäme, tatsächlich haben sie der Soziologie nebenher die ominöse
Deutung zugezogen, die Einbruchsstelle der Naturwissenschaft auf
unser Gebiet zu sein. Damit allein schon ist aber die ganze Absicht
einer summarischen Zusammenfassung unserer, im Gegenhalt zu den
Naturwissenschaften, dauernd durchkreuzt: der sonst so taugliche
Sammelname ist eigentlich verpfuscht. Ich glaube hier trotzdem von
Fall zu Fall von „inbegrifflich-soziologischen“ Dingen reden zu dürfen.
XII.
Bei der „Soziologie als Inbegriff“ gelangt das „herausgehörte“
Problem gar nicht weiter zur Lösung. Nur mittelbar liegt eine richtige
Lösung wenigstens in der' ideellen Verlängerung davon; sie wird in der
Folge im Sinne einer „Soziologie als Erkenntnislehre“ zu deuten sein.
Ganz anders erfüllt sich die Soziologie als Aufgabe, das will sagen, be
währt sich die innere Einheit jener Wissenschaften, sobald dies hinaus
läuft auf „Soziologie als Fachwissenschaft“. Am Beispiel der Systema
tischen Soziologie Max Webers deutete ich es obenhin an, wie es
um diese Disziplin bestellt wäre, und warum sie mit Recht ihren
Namen trüge. Natürlich lastet es späterer Erkenntniskritik auf, daß
sie das Besondere dieser Systematischen Soziologie herausarbeitet, im
Kreise der Wissenschaften vom menschlichen Zusammenleben. Das
gleiche steht auch für jene „dritte“ Sozialwissenschaft aus, in deren
übrigens schier unermeßlichen Bereich wohl die glänzendsten Leistungen
Max Webers fallen. Es erhebt hier eine zweite, ganz anders g e "
artete Disziplin den Anspruch auf den Namen Soziologie, sagen