Full text : Wirtschaft als Leben

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.Freiheit  vom  Worte“.

schaftlicher  Haltung  tiefer  verständlich  macht.  Es  steht  nun  knapp  davor. ­
  Nur  rasch  ein  paar  Worte  vorher,  die  vielleicht  nicht  ganz  überflüssig ­
  sind.
Man  sieht,  wie  die  Dreiteilung  der  engeren  Sozialwissenschaft  nichts
mit  einer  „Dreiteilung  des  sozialen  Organismus“  zu  tun  hat.  Ebensowenig ­
  ist  sie  in  Mystik  eingegründet.  In  Sachen  der  Nationalökonomie
als  reiner  Erfahrungswissenschaft  habe  ich  stets  den  Schnitt  vor  alle
Mystik  gezogen.  Dem  Theoretiker  erscheint  ja  besonders  jene  kleinliche ­
  Mystik  als  recht  minderwertig,  jene  Mystik  als  Mache,  in  die
sich  Theorie  gelegentlich  dort  hüllt,  wo  sie  aus  Schuld  falscher  Einstellung ­
  sich  selber  verstrudelt.  Nach  meiner  Überzeugung  darf  aber
an  die  Theorie  einer  Erfahrungswissenschaft  erst  recht  nicht  Mystik
als  Weltanschauungssache  heran;  auch  nicht  zeitgenössisch  verquickt
mit  Mystik  als  Psychose,  oder  gar  mit  Mystik  als  Gewerbe.
Noch  eine  zweite  Verwahrung.  Notgedrungen  stelle  ich  fest,  daß
schon  in  meiner  Schrift  „Herrschaft  des  Wortes“  alles  hinaustrieb  auf
ein  „Denken  in  eitel  Gebilden“,  auf  „Allzusammenhang“,  „Allbedungenheit“,
  auf  „Einheit“,  „Einmaligkeit“  und  „Persönlichkeit“,  um  so  überall ­
  „Leben“  zu  sehen,  als  Gestaltung  der  „Erlebungen“;  an  Stelle  aller
Flachheit  im  Gefolge  von  „Kausalitätskoller  und  Gesetzesdusel“.  Auch
diese  kecken  Worte  gingen  schon  1901  in  Druck;  geläufig  waren  sie
mir  lange  vorher.  Und  wenige  Jahre  nachher,  nachdem  ich  in
dem  Büchlein  von  den  „Grenzen  der  Geschichte“  den  Scheidestrich
zwischen  der  „erlebten“  Zeit  der  Geschichte  und  den  „Rechenpfennigen
der  geologischen  Jahrmillionen“  gezogen,  suchte  ich  jene  Grundauffassung, ­
  die  allem  „Naturalismus“,  oder  meinetwegen  aller  „Mechanistik“
und  aller  „Berechenbarkeit“,  für  unsere  Denkgebiete  aufsagt,  noch  in
die  Tiefe  zu  arbeiten:  in  meinen  Aufsätzen  „Zur  sozialwissenschaftlichen ­
  Begriffsbildung“,  im  „Archiv  für  Sozialwissenschaft“.  Dies  alles
geschah  aber  doch  im  hellen  Bewußtsein,  dabei  nur  ins  eigene  Fach
hinein  den  Erfüller  und  Werkfortsetzer  einer  geistigen  Bewegung  zu
spielen,  die  in  ihren  Anfängen  mindestens  bis  auf  F  i  c  h  t  e  zurückgreift,
die  seither  ins  Breite  gediehen  war  und  für  zahlreiche  Leistungen
unserer  Wissenschaft  sich  längst  von  selber  versteht.  Da  vollzieht  sich
einfach  am  erhabenen  Gebilde  der  Wissenschaft  der  unaufhaltsame
Prozeß  einer  organisch  richtigen  Weiterbildung,  der  aber  von  seiner
eigenen  Zeit  als  eine  Wende  empfunden  wird.  In  dieser  geistigen
Strömung  trieb  auch  mein  Beginnen  und  setzt  sich  nun  mit  verstärktem ­
  Nachdruck  fort.  Aber  es  hat  damit  nichts  zu  schaffen,  wenn
neuestens  eine  überhitzte  Nachempfindung  jener  Wende  sich  zur  Bot ­
            
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