Full text : Wirtschaft als Leben

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Soziologische  Zusammenhänge,  XIII.

schaft  einer  „Neuen  Lehre“  aufbläht,  die  auf  allen  Gebieten  des  Erkennens
  alles  von  unterst  zu  oberst  zu  kehren  wähnt,  im  Saltomortale
zu  einer  Art  „November-Wissenschaft“.

XIII.
Mit  der  Produktion  von  „Soziologie  als  Fachwissenschaft“  ist  es
allein  nicht  getan.  Als  Aufgabe  erfüllt  sich  Soziologie  zum  besten
Teil  erst  so,  daß  jede  der  sonstigen  Fachwissenschaften,  kraft  der  Art
ihres  eigenen  Vorgehens,  die  innere  Einheit  von  ihnen  allen  wahr
macht:  „Soziologie  als  Methode“!  In  der  Tat,  die  Wissenschaften  von
Geschichte,  Wirtschaft,  Staat,  von  Recht,  Kunst  usf.,  sie  alle,  richtig
betrieben,  arbeiten  in  ihrer  Art  dauernd  an  Soziologie.  Sofern  sie  die
viel  berufene  „soziologische  Methode“  befolgen  i  Nun,  gewiß  nicht  alles,
was  sich  so  nennt,  ist  es  auch  schon  in  jenem  Geiste.  Allzu  häufig
glaubt  man  „soziologisch“  vorzugehen,  wenn  sich  das  fachliche  Denken
jener  gewissen  Aftersoziologie  preisgibt;  wobei  die  Psychologie  als
Naturwissenschaft  in  den  meisten  Fällen  die  Kupplerin  spielt.  Aber  die
Bastardierung  von  zwei  wurzelfremden  Erfahrungsweisen  kann  natürlich ­
  zu  nichts  Rechtem  führen;  meist  nur  zu  krampfhaften  Versuchen,
Lehrsätzlein  als  „Gesetze“  herauszuquetschen,  und  zu  ähnlichen  Mißbildungen ­
  unserer  Art  Erkenntnis.  Der  Scheidestrich  gegen  derlei
„soziologische  Methode“  kann  gar  nicht  scharf  genug  gezogen  werden.
Das  Ziel  ist  beileibe  nicht  diese  Entartung  der  fachlichen  Erkenntnis,  im
Gefolge  des  „positivistischen“  Wahnes,  alles  über  einen  Leisten  schlagen
zu  müssen.
Die  soziologische  Methode  entspringt  vielmehr  aus  der  Auffassung
vom  wahren  Beruf  einer  Fachwissenschaft  unseres  Kreises.  Ein  Vorgehen ­
  ist  gemeint,  das  ebensowohl  dem  Eigenwert  des  Faches  genügt
"de  auch  den  Ansprüchen  auf  Wahrung  der  inneren  Einheit  aller
Wissenschaften  vom  menschlichen  Zusammenleben.  Innere  Einheit,
d as  ist  das  Fehlen  von  Widersprüchen  natürlich  auch;  doch  in  erster
Linie  denke  ich  dabei  an  wechselseitige  Ergänzung,  an  ein  lebendiges
Zusammenspiel  aller  zu  erschöpfender  Erkenntnis  des  gemeinsamen
Vorwurfes.  Müssen  doch  alle  diese  Wissenschaften  im  geschlossenen
Vereine  das  menschliche  Zusammenleben  bewältigen  —  das  ist  und
Bleibt  ja  der  erhabenste  Vorwurf  aller  Erfahrungswissenschaft!  Bei
keiner  jener  Wissenschaften  kommt  es  daher  schlechthin  so  auf  Erkenntnis ­
  an,  als  wäre  dies  ihre  Spezialsache  und  sie  allein  auf  der
Welt:  sondern  darauf  kommt  es  an,  daß  jede  wohl  das  Ihre  tut,  aus-
            
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