Full text: Wirtschaft als Leben

Methodologische Glossen. 
xv. 
Was immer man sagen wollte gegen jene eingerostete Art, national 
ökonomische Theorie zu treiben, es prallt alles an dem blinden Glauben 
der Methodologie ab, hier läge klipp und klar ein „Zwang unseres 
Denkens“ vor. Täte man immerhin bei dieser „Güterlehre“ der 
Wirklichkeit mehr oder minder Gewalt an, es verschlägt nichts; so 
müsse man einfach Vorgehen oder überhaupt darauf verzichten, der 
Deskription eine Theorie gegenüberzustellen, die nicht selber Sozio 
logie wäre. 
Worin soll nun eigentlich jener Zwang beruhen, der alle national 
ökonomische Theorie bei der „Güterlehre“ landen ließe? Die methodo 
logische Formel dafür lautet bekanntlich: hier walte der Zwang zur 
„isolierenden Abstraktion“ 1 Das wisse jedes Kind, wie unentbehrlich 
sie für alles Erkennen auf unseren Gebieten sei, analog zum experimen 
tellen und theoretischen Vorgang in anderen, z. B. in den Naturwissen 
schaften. Aber schon mit dieser Analogie hat es meines Erachtens 
die schwersten Bedenken. Die Formel selber, von der „isolierenden 
Abstraktion“, scheint mir ziemlich viel von einer Selbsttäuschung an 
sich zu haben. Hier aber wäre sie mehr als ein Ammenmärchen der 
naiven Theorie vorerzählt, um diese in das wohlige Gruseln einzu 
lullen, ihr Verhalten entspringe aus einem „Zwang unseres Denkens“- 
Im Verfolg dieser Ansichten würden hier aber ganz trostlose Ab 
schweifungen drohen. Denn von da aus ginge es tief hinein in eine 
kritische Erörterung der „idealtypischen“ Begriffsbildung, im Geiste 
Max Webers: jenes wunderbaren Erkenntnismittels, ohne das io 
unseren Wissenschaften weder Empirie möglich wäre noch auch Theorie 
im richtigen Sinne. Wobei jedesmal als „Idealtypus“ das „Wesent 
liche“, es mag sich nun in „Wertbezogenheit“ oder in „Problem- 
bezogenheit“ von der unendlichen Mannigfaltigkeit alles Wirklichen 
abheben, so übersteigert wird, daß es kraft seiner eigenen Zusammen 
hänge die ganze Fülle der wirklichen Zusammenhänge entbehrlich
	        
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