Full text : Wirtschaft als Leben

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„Freiheit  vom  Worte“,

der  notwendigen,  unentrinnbaren  Einseitigkeit  seines  Faches  sagt,  ist
dann  so  gesagt,  um  unmittelbar  einen  lebendigen  Widerhall  zu  finden
in  all  den  vielerlei  Wissenschaften,  die  sich  gemeinsam  um  den  gleichen
Vorwurf  mühen.  Gewiß  wickelt  der  Nationalökonom  die  Zusammenhänge ­
  dieser  Welt  des  Lebens  stets  einseitig  auf  —  Einseitigkeit  ist
ja  von  Wissenschaft  gar  nicht  zu  trennen!  Allein  eben  so,  daß  sich
die  einseitig  aufgerollten  wie  von  selber  verknüpfen  mit  jenen  Zusammenhängen, ­
  die  wieder  innerhalb  der  anderen  Erkenntnisgebiete
entwirrt  werden,  nämlich  in  den  übrigen  Fachwissenschaften.  Woraus
dann  allmählich,  von  vielen  Seiten  her,  immer  dichter,  immer  engmaschiger, ­
  immer  fester  umschnürend,  jenes  geistige  Netz  sich  gegestaltet,
  das  von  unserem,  stets  nur  im  Zusammenhang  sich  auslebenden ­
  Denken  listig  der  Wirklichkeit  übergeworfen  wird,  im  Sinne
einer  Erkenntnis,  die  ihres  Stoffes  wahrhaft  Herr  ist.  Nur  der  rechte
Zusammenhang  im  Vorgehen  aller  verbürgt  diesen  letzten,  höchsten
Erfolg.  Niemals  könnte  dies  ein  hölzernes  Nebeneinander  tun,  von
stets  wieder  anders  ausartenden  Verschrobenheiten  im  Schema  der
geistigen  Bewältigung  des  Stoffes.  Welcher  Stoff  aber  fordert  mehr
zur  Einheitlichkeit  seiner  Bewältigung  heraus  als  der,  der  doch  selber
von  so  majestätischer  Einheit  ist,  durch  den  Allzusammenhang  des  Erlebten! ­

Wieviel  unserer  Theorie  bisher  entgangen  ist,  als  bloßer  „Güterlehre“, ­
  läßt  gerade  auch  die  Behandlung  des  Wirtschaftslebens  in
Max  Webers  Soziologie  gut  ermessen.  Im  Rahmen  des  ganzen  Zusammenlebens ­
  wird  hier  an  die  Wirtschaft  mit  einer  viel  einfacheren
Problemstellung  herangegangen,  als  es  in  der  Nationalökonomie  der
Fall  sein  müßte.  Denn  gerade  für  den  Teil  der  Wirtschaft  ist  vorwaltend ­
  nur  Systematische  Soziologie  am  Werke,  trotz  der  räumlichen
Verteilung  der  „Wirtschaftssoziologie“  auf  beide  Teile  des  Vermächtnisses; ­
  auch  im  zweiten  Teil  setzt  Analytische  Soziologie  gleichsam ­
  erst  nur  an.  Für  die  eigentümliche  Wandlung  seiner  Erkenntnisziele ­
  ist  es  ja  bezeichnend,  daß  Max  Weber  die  soziologische  Analysis
zwar  gegenüber  Religion,  Recht,  Kunst  so  wundervoll  handhabt,  während
er  die  Wirtschaft,  trotzdem  dort  überall  von  der  Beziehung  auf  sie
ausgegangen  war,  als  solche  doch  vergleichsweise  vernachlässigt;  und
doch  bleiben  auch  alle  ihre  besonderen  Gestaltungen,  sofern  man  sie
einseitig  als  „Gemeinschaft“  sieht,  nicht  minder  dieser  Analyse  unterworfen ­
  1
Aber  so  einfach  die  Behandlung  des  Stoffes  ausfällt,  als  „empirisch
und  „formal“  von  Max  Weber  selbst  gekennzeichnet,  trotzdem  al s °
da  alles  auf  reine  Klassifikation,  auf  „Begriffskataloge“  hinauszutreibe»
            
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